Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 2)
- Language
- German
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bekämpft, anderseits von den Maskilim fanatisch verteidigt wird. Ja, es findet sich in diesem Jahre bereits ein verblendeter Chassid der Haskala, der nicht etwa die Haskala im Allgemeinen, sondern sogar ihren änßeren Habitus mit ungeheurer Heftigkeit verteidigen zu müssen glaubt, und zwar nicht etwa gegen die geeichten Finster׳* linge, sondern gegen den Altmeister der galizischen, ja der slawischen Aufklärung, selbst, gegen Mendel Levin — ich meine den berühmten Grammatiker und Satiriker Tobias Feder aus Przedborz. Jene drei Männer: Levin, Homberg und Feder stellen aber zugleich die drei Typen der damaligen Apostel der galizischen Aufklärung dar: des autochthonen, klugen, liebenswürdigen, der allmählich Schritt für Schritt die Wege bahnen will, des fremden, mit äußerer Autorität prahlenden, des fanatischen endlich, dem die Haskala bereits ein heiliger Kanon ist, für dessen mindestes Partikelchen er bereit ist, sich einer ganzen Welt entgegenzustellen. Von den dreien ist Homberg speziell der Apostel für Galizien, Levin und Feder gehören ebenso der russischen wie der galizischen Haskala an. Mendel Levin wird nach Samuel Josef Fünns: Sefa Lenemanym (Wilna, L, L. Matz, 1881, S. 140) Mendel Zbaraäer oder Satanower genannt. Er scheint also im ostgalizischen Städtchen Zbaraz geboren oder wenigstens erzogen zn sein. Andererseits weist die Einstimmigkeit, mit welcher er Mendel Satanower genannt wird, darauf hin, daß. er in der Nähe von Zbaraz, im podolischen Grenzstädtchen Satanow geboren wurde. Sein Geburtsjahr ist 5509 etwa 1749. Seinem ganzen Lebenslauf ist cler Stempel der Haskala aufgedrückt. Schon im Beth-Hamidrasch, wo in der vorchassidischen Zeit Haskala- Schriften häufig waren, lernt er den ,,Elim“ von יש״ד kennen, den er mit Zusätzen versieht. Vor zu großem Fleiß fast blind geworden, muß er 1780 nach Berlin ins Spital. In Berlin wird er Mendelssohns Schüler und Schützling. שלם בתורתו שרם באמנתו. entschlossen seinem Meister nachzuleben und seine Landsleute durch Uebersetzen der Bibel in den Jargon, sowie durch Verbreitung profaner Wissenschaften in hebräischer Sprache zu reformieren, kehrte er 1784 oder 1785 nach Polen zurück. Nach seiner Rückkehr wohnte er, nach kurzem Aufenthalte in Brody, in Mikolajow, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Satanow, welches Eigentum des Fürsten Adam Czartoryski war, der unweit, in Mi^dzyborz, wohnte. Levins Frau unterhielt daselbst einen kleinen Kramladen. Einst tritt hier der Fürst ein und findet auf dem Tisch einen dickleibigen Folianten: Wolffs Metaphysik. Levin, der sich als Freund der deutschen Philosophie entpuppt, erhielt nun von dem bildungsfreundlichen Fürsten eine feste Pension und war bald ein gern gesehener Gast in den Salons der Fürstin Isabeila (1746 bis 1835) in Warschau, Pulawy und Sieniawa (in Westgalizien), welche ihrem Gemahle an Kulturfreundlichkeit nichts nachgab. Er scheint nun wieder nach Berlin gereist zu sein, wo er zunächst die אגרות החכמה und den רפואת העם schrieb. Im Jahre 1791 finden wir ihn in Warschau, wo er in den Spuren des Chetmer Rabbiners Herschel Josefowicz wandelnd, der 1789 ״Gedanken über eine geeignete Reform der polnischen Juden zu nützlichen Staatsbürgern/' veröffentlichte, 1792,, wahrscheinlich auf Anregung; seines fürstlichen