Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- David ben Jehuda Hasid
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 5)
- Language
- German
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43 Bäume werden, im Volksglauben als mit chthonischen Kräften ausgestattete, beseelte Körper gedacht1, damit hängt der Baumkult2 und der Glaube, daß die Dämonen im Stamme Aufenthalt nehmen, eng zusammen3. Die Agadisten erklären II Sam523*24־ religionsgeschichtlieh. ממול בבאים und קול צעדה בראשי הכבאים bedeutet das Schütteln der Bäume, und die Situation wird folgendermaßen ausgemalt: David befragt Gott in der Ebene Refaim als die Philister gegen ihn zogen. Gott antwortet: Ziehe nicht gegen' sie und strecke deine Hand nicht gegen sie aus, bis die Spitzen der Bäume sich bewegen. Als die Philister schon sehr nahe waren, da sagten die Israeliten zu David: ,,Warum stehen wir hier?“ David antwortet ihnen: Ich habe Befehl von Gott zu warten bis die Bäume sich bewegen. Strecken wir unsere Hände gegen die Philister aus, so sterben wir (denn wir haben Gottes Befehl übertreten), tun wir es nicht, so werden uns die Philister töten. Ist es nicht besser, daß wir als Fromme, und nicht als Frevler sterben? Wir wollen unsere Augen zu Gott erheben und flehen. Sofort bewegten sich die Bäume!4 Ps. Saadia zu Dan 120 kennt die Sitte, ein Loch in einen Baum zu bohren, in dasselbe werden Zauberdinge, wahrscheinlich Beschwörungen oder Amulette gelegt, dann verstopft und auf diese Weise erhalten sie Kunde von Geheimnissen und der Zukunft. Hillel und R. Johanan ben Salckai wird die Kenntnis von den sprechenden Bäumen (שיחת דקלים) zugeschrieben5. Vielleicht haben die Lehrer der talmudischen Zeit darunter die Gespräche der Bäume verstanden, die öfters in der Midrashlitexatur erwähnt sind6. Ein gaonäischer Erklärer7 berichtet, daß zur Zeit der Windstille ein Leintuch genommen wird, dann stellt man sich zwischen den zwei nächsten Bäumen, und man kann durch Zeichen verschiedene Dinge erkennen. Ein R. Abraham aus Kabes, der 829 lebte, soll besondere Kenntnisse auf diesem Gebiete besessen haben. Zweitens erwähnen wir einen Satz, der uns einen Brauch erklärt, der bisher dunkel war. Die Synagogendiener klopfen mit den Schlüsseln auf die Pforte der Synagoge, bevor sie die Türe öffnen. Mir wurde immer als Kind gesagt, daß die Toten in der Synagoge versammelt sind und dort beten. Das Klopfen ist ein Signal für die Versammelten, die Synagoge zu verlassen. David ben Jehuda schreibt (S. 10 B): שאין רשאי בן אדם ליבנם בבית הכנסת אא״ב נמלך בראשונה באברהם יצחק ויעקב בשביל שהם תקנו תפלה. Man darf nicht 1 Siehe E. Küster, die Schlange in der griech. Kunst und Religion. Gießen 1913. 84, daher stammt auch in der Agada die Vorstellung von den sprechenden Bäumen, denn die Bäume werden als beseelt gedacht, siehe AbRN. 4 und 5. M. Ps. 73. Ende Gen. r. 15. 6., 19. 9. Pirke R. E. c. 13. 2 Siehe ZdVsfVk. 20, 1910, 143, Folklore X. 230. 3 Pradel, Fr., Griechische und süditalienische Gebete etc. Gießen 1907, 98, zu vergleichen ist die Erzählung vom Dämon im Johannisbaum, Maasijoth Bagdad Nr. 15 und dazu Marmorstein, Beiträge II in Grunwald Jahrbuch II, 348 ff. 4 Pesikta rabbati c. 8, 30 B. 6 Vergleiche meine Beiträge I, 307. 6 Vergleiche oben Anmerkung Nr. 2. 7 Resp. Lyck, Nr. 33, Aruchs. v. סח, Shaare Teschuba Nr. 74, Rapoport, Biographie des R. Nathan, Anm. 26, Weiß, Dor Dor we Dorshow.IV, 50.