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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 35

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 35 (sequence 23)
Language
German
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35 heraufbeschworen, — müsse sein Leichnam ausgegraben und verbrannt werden. Dem Sklaven ist dies recht, der echte Sohn verwahrt sich dagegen und will lieber aller Erbschaft entsagen. Der Richter setzt den Sohn in seine Rechte ein. —־ Davidson verweist auf die Zusammenstellung ähnlicher Stoffe bei Steinschneider (Hebr. Bibliographie XIII, 133): in einer Abart soll das Grab des Vaters mit Steinen beworfen werden, — der echte Sohn bringt es nicht über sich; in einer andern gießt man in das Blut vom Leichnam Blut der Streitenden; das Blut des Vaters vermengt sich nur mit dem des echten Sohnes1, 11. Tobia. Das apokryphe Buch Tobit mit mannigfachen Aenderungen, aus denen Davidson folgert, ibn Sabara habe eine — sonst unbekannte — Fassung vor sich gehabt. 12. Der lahme Totenbegleiter. Einem kranken, frommen Greis wird die Kraft, die Gunst gewährt, jedem würdigen Toten das Geleite geben zu können. Einem als gewalttätig verschrienen Fleischer gibt er es, einem allgemein verehrten Greise vermag er es nicht zu geben. Es wird nachgeforscht, da ergibt sich, der Fleischhauer hat seinen hundertjährigen Vater bis ans Ende kindlich geehrt und gepflegt, der vermeintlich Fromme hingegen im Geheimen ein Kreuz angebetet. — Davidson hat allerdings recht, die müssigen Vermutungen zürückzuweisen, daß diese Erzählung auf Marannen, Drusen oder Nestorianer anspiele. Ein muhammedanisches Vorbild bleibt dabei nicht ausgeschlossen. Auch Sajjid Battäl, der Held eines türkischen Volksromans, entlarvt seinen Gegner Okba derart, daß er in einem geheimen Gemach Okbas eine Kapelle mit Weihrauch, mit zwei Mönchen, mit Kerze und Glocke entdeckt (H. Ethe, Die Fahrten des Sajjid Batthäl. Leipzig 1871, II, 28—33). 13. Die Königstochter und die Lilie. Ein König bringt seiner geliebten Tochter im Winter einen prächtigen Blumenstrauß. Doch zwischen den Blumen verbirgt sich eine Schlange und beißt die Königstochter zu Tode. 14. Der Fuchs im Weingarten. Der Fuchs, nachdem er sich im Weingarten satt gegessen, muß so lange fasten, bis er sich wieder zur Oeffnung des Gartenzaunes hinauszwängen kann. — Diese Fabel, die im Midrasch (Koh-R. ad V, 14) fromm und tiefsinnig auf das Leben angewendet wird, dient bei ibn Sabara der nüchternen Diätetik. 15. Die Wäscherin im Dienste des Teufels. Eine Wäscherin faßt den teuflischen Entschluß, die liebevolle Eintracht eines Geschlechtes zu zerstören. Sie erwählt sich ein Ehepaar. Die Frau macht sie glauben, ihr Mann hintergehe sie mit einer unwürdigen Nebenbuhlerin; sie rät ihr, ihren Mann einzuschläfern, ihm mit einem scharfen Messer drei Haare abzuschneiden, aus diesen wolle sie, die Wäscherin, ein Zaubermittel bereiten, durch welches der Gatte zur Treue zurückgeführt werde. Vor dem Mann wieder verleumdet sie seine Gattin, sie habe sich einem Andern ergeben und wolle ihn heute nachts mit einem scharfen Messer töten. Der Mann tut, als ob er schliefe, seine 1 Der arabische Geschichtsschreiber Ibn Haukal teilt dies als Gottesurteil mit, welches bei den Chazaren geübt werde. Siehe auch Gasters Exempla Nr.399. 3*

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