Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829943-2829945-2848904--47336-2848973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
34 natürlich eine Reihe jüdischer Fassungen des Märchens an1; hier beweist derart König Salomo seinen Satz: einen Mann unter Tausenden habe ich gefunden, ein Weib auch unter so vielen nicht (Koh 728). Da das Sefer Scha‘aschüim von einem arabischen Könige spricht, folgert Davidson daraus, ibn Sabara habe eine arabische Fassung Vorgelegen. 6. Die treulose Witwe, bekannt als Erzählung der Matrone von Ephesus, auf welche vielleicht schon der Talmud (Kidd. 80b) anspielt2. 7. Der Affe am Halse der Frauen. Ein König träumt, ein Affe springe seinen Frauen auf den Hals. Der Betraute des Königs macht sich auf, um einen Traumdeuter zu befragen. Er begegnet einem Bauern, dessen kluge Tochter nach glänzenden Scharfsinnproben auch den Traum deutet: im Harem des Königs verberge sich ein Mann. . Der König überzeugt sich davon, läßt seine Frauen und den Eindringling töten, heiratet das kluge Mädchen. — Hier haben wir die Verbindung zweier Märchenmotive: das Motiv vom Manne, der als Frau verkleidet unter Frauen lebt, gehört auch der Rahmenerzählung der Sieben weisen Meister an und begegnet auch in Firdusis Schahnameh, die trefflichen Scharfsinnsproben sind teilweise schon aus dem Talmud (Sanhedrin 104ab) und dem Midrasch (Echa Rabba) bekannt. Davidson ist es gelungen, eine treffende Parallele im indischen Märchen zu finden, welches die beiden Märchenmotive ähnlich verbindet. 8. Der diebische Chazzan. Ein Mann klagt dem Richter, er werde bestohlen. Der Richter erkennt an der Lage des Hauses, der Dieb müsse der Chazzan sein, welcher durch eine Hecke hingelangen könne. Listig veranlaßt er, daß der Dieb sich entkleide, da werden die Wunden sichtbar, welche die Hecke ihm beigebracht, — der Chazzan ist entlarvt. — D. sieht hierin, mit Recht, einen Angriff auf die Chazzanim. 9; Jakob von Cordova und der vornehme Betrüger. Ein Fürst nimmt dem Juden Jakob in Cordova ein Geschmeide ab, mit dem Vorwand, er wolle es seiner Frau zeigen, behält es und leugnet, etwas übernommen zu haben. Der Richter beruhigt den geprellten Juden. Er lädt die Großen des Landes zu sich, unter ihnen auch den Betrüger. Dessen Schuh schickt er durch einen Boten der Frau des Betrügers, zur Beglaubigung, daß ihr Mann das Geschmeide holen läßt. Die Frau geht auf den Leim, der Jude erhält das Geschmeide zurück. — Seit R. Meirs Kidör (Joma 83b) ist das Motiv vom geprellten Betrüger auch dem jüdischen Märchen geläufig. Davidson führt viel Entsprechendes aus jüdischem und nicht jüdischem Schrifttum an3. 10. Der Sklave als Sohn. Ein Vater stirbt, während sein Sohn in der Ferne reist. Der Haussklave bemächtigt sich des Besitzes und behauptet, er sei der Sohn. Der zurückgekehrte Sohn wendet sich an den Richter. Der Richter entscheidet: da der Vater keine Verfügung getroffen und derart durch seine Lässigkeit diesen Streit 1 Jetzt wäre auch auf Gasters Exempla Nr. 32S hinzuweisen, wo die Parallelen zusammengestellt sind. 2 Die Parallelen bei Gaster, Exempla Nr. 442, wo aber weder R. Chananel in den Tossafoth zu Kidd. 80 b noch das Sefer Scha^schüim angeführt wird. 3 Siehe auch Gasters Exempla Nr. 123.