Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 21)
- Language
- German
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33 Israel Davidson verdanken wir die mustergültige Ausgabe des ם׳ שעשועים des , ,Unterhaltungsbuches'‘ von Joseph ben M:eir; ibn Sabara. Die erste Auflage erschien als IV. Bd. der Texts and Studies opthe Jewish Theological Seminanj of America, New York 1914, mit einer schönen, gehaltvollen Einleitung in englischer Sprache über ibn Sabaras Zeitalter und über sein Werk. Diese erste Auflage ist in der MGWJ 1915, LIX, 121—130, 170—179 von Ed. Baneth eingehend gewürdigt und durch den Scharfsinn Baneths und seiner Söhne mehrfach berichtigt worden. Baneths sowie Immanuel Löws Berichtigungen sind nun als Anhang zu der zweiten. Auflage aufgenommen worden, welche die Einleitung und die Anmerkungen in der gediegenen hebräischen Uebersetzung B. Krupniks bietet. Dieses Werk ist in unserer MGWJ, 1926, S. 63 in einigen Zeilen angezeigt, hat aber für die Sagenkunde, welcher unsere Sammelbesprechung gewidmet ist, ganz besondere Bedeutung. Dessen ist sich auch Davidson voll bewußt, da von den 73 Seiten der Einleitung 21 den in die Dichtung eingeflochtenen Märchen gewidmet sind. Andererseits erheischen die Aufstellungen des Buches gerade nach der sagengeschichtlichen Seite einige Berichtigung, Wohl werden die sagengeschichtlichen Tatsachen aus der jüdischen Literatur in fast erschöpfender Fülle, und auch aus dem nichtjüdischen Schrifttum sehr reichlich herangezogen. Doch mit seiner schweren Rüstung des Philologen und Geschichtsforschers verscheucht Davidson zuweilen den leichtgeschürzten Genius ibn Sabaras. — Davidson setzt im ,,Unterhaltungsbuch‘‘ 15 Märchen voraus. Wir lassen sie hier folgen. 1, Fuchs und Panther. Der Panther läßt sich vom Fuchs an ein herrliches Flußufer verlocken, ersäuft aber, wie■ der nächste Regen das Wasser aus dem Flußbette treten läßt. — Davidson wähnt eine Parallele in ibn Sahulas משל קד^נגי. zu entdecken. 2־. Fuchs und Löwe. Der Fuchs bringt den vertrauensseligen Löwen zu Fall. Er schützt Kopfweh vor, läßt sich vom Löwen binden, tut, als ob er dadurch geheilt wäre. Wie nun der Löwe wirklich krank ward, läßt auch er sich binden und wird vom Fuchs getötet. 3. Der Goldschmied aus Babylon. Der König von Babylon liebt seine Tochter über alles. Ein Goldschmied, von seiner Frau dazu bewogen, verfertigt das Ebenbild der Königstochter. Der König läßt ihm dafür die Hand abhauen. — Davidson meint, Babylon weise auf morgenländischen Ursprung, das Bilderverbot auf das ikonoklastische Byzanz hin. 4. Der Zimmermann aus Damaskus. Einen Zimmermann überredet seine Frau, daß er, wie es angeblich ihr Vater zu'tun pflegte, mit beiden Händen, auch mit der Linken arbeite. Er versucht es und haut sich mit der Linken den Daumen der Rechten ab, erschlägt im Grimme seine Frau und wird hingerichtet. — Davidson kennt keine Parallele, meint aber, Damaskus zeuge für morgenländischen Ursprung. 5. Der Mann treuer als das Weib. Der Mann, dem, wenn er seine Frau tötet, der König seine Tochter zur Ehe anbietet, vermag es nicht über sich zu bringen, daß er seinem Weibe was Leides zufüge. Die Frau hingegen, als ihr der König die Ehe verspricht, ist bereit, ihren Mann zu töten und wird nur dadurch daran verhindert, daß ihr ein stumpfes Schwert gegeben werden. — Hier führt Davidson Monatsschrift, 71. Jahrgang.