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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 32

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 32 (sequence 20)
Language
German
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32 Obzwar ich schon wiederholt die Gelegenheit ergriffen habe, Gasters Exempla ausführlich zu würdigen1, bleibt es dennoch undenkbar, daß diese Sammelbesprechimg das bedeutendste jüdische Werk zur vergleichenden Sagenkunde unerwähnt lasse. Gaster ist, wie kein zweiter unter den jüdischen Gelehrten, für die vergleichende Sagenkunde geschult. In Rumänien geboren, in Deutschland wissenschaftlich ausgebildet, in England als Chacham der portugiesischen Gemeinde, eine Zeitlang auch als Vorsitzender der Folk-lore Gesellschaft Großbritanniens tätig, überblickt er eine Reihe von Literaturen. Prof. Groeber hat in seinem höchst angesehenen Grundriß der romanischen Philologie die Bearbeitung. der rumänischen Literatur Gaster an vertraut. In diesem Hauptwerke seines arbeitsreichen Lebens hat Gaster 4.50 Stoffe zusammengetragen, meistens nach seinen eigenen Hand- Schriften, davon 308 im hebräischen oder aramäischen Urtext, auch diese sowie alle übrigen Gegenstände im englischen Auszug. Allerdings überschätzt Gaster die Bedeutung seiner ältesten ™^^-Handschrift. Er gibt wohl zu, daß diese Handschrift selbst in neuerer Zeit in Persien entstanden ist, hält aber fest daran, daß wir in ihr die Abschrift des ursprünglichen Aggadawerkes besitzen, aus dem der Talmud, R. Nissim, R. Nathan b. Jechiel aus Rom, der Midrasch haggadol geschöpft hätten. Demgegenüber müssen wir darauf hinweisen, daß sich bereits in der ältesten Handschrift spätchristlicher Einfluß bekundet, in der Erzählung von R. Akiba, wie er einen Verdammten von der Höllenpein errettet, dadurch, daß er seinen (posthumen) Sohn ins Judentum aufnimmt und die Totengebete lehrt (Gaster N. 134), ferner muhamedanische Einwirkung in der Geschichte von der Begegnung Abrahams mit den Frauen Israels (Gaster N. 271). Wir stellen uns das Verhältnis umgekehrt vor: der Verfasser der Handschrift Gasters hatte bereits Talmud, R. Nissim, Midrasch haggadol vor sich. Die Bedeutung der Handschrift liegt vielmehr darin, daß ihrem Verfasser auch solche Aggadot Vorlagen, die wir sonst überhaupt nicht oder in abweichender Fassung kennen. Das Verdienst Gasters ist von der Entscheidung dieser strittigen Probleme unabhängig. Er hat 450 Erzählungen, darunter sagengeschichtlich wichtige, zusammengestellt, für die einzelnen Erzählungen die ähnlichen Ueberlieferungen und Fassungen im jüdischen und nicht jüdischen Schrifttum nachgewdesen, — mehrere tausend Nachweise, fertiger Stoff für zahlreiche Monographien. Aehnliches hat in geringerem Umfang, in kleinerem Maße für M. Grünbaum’s Jüdisch-deutsche Chrestomathie Reinhold Köhler geleistet (Kleinere Schriften I, 576—583). In der jüdischen Literatur kenne ich kein wissenschaftliches Werk, das sich an Bedeutung für die vergleichende Sagenkunde mit Gasters Exempla messen könnte. 4• ספר שעשועים לר׳ יוסף בן מאיר בן ובארה, עם שנויי נוסחאות הערות 200 + צג .והוספות ובצירוף מבוא מפורט מאת ישראל דרדוון. Berlin. Eschkolverlag 1925. 1 Siehe Hazöfeh IX, 171—176, Mult 6s Jövö Budapest 1926, 163—166, RE J 1925 LXXXI, 1—26 und dazu die kernigen Berichtigungen von A. Back, REJ 1925 LXXXI, S. 222.

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