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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 30 (sequence 18)
Language
German
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30 hineinwerfen. Er versuchts mit 5 Kopeken, — es kommt Nichts, er wirft weitere 5 Kopeken hinein, — Nichts. Da kommt ein Offizier, wirft ein 10 Kopekenstück hinein und erhält die Karte. Der Jude fährt den Automaten an: Auch ein Antisemit (N. 84). Antisemiten und Juden werden fein gegenübergestellt: der Antisemit zieht gegen die Juden los, im Allgemeinen; die einzelnen Juden seiner Bekanntschaft rühmt er; der Jude preist die Judenheit und schilt jeden einzelnen Juden (N. 260). Einem Juden wird der gewaltige Verkehr in Deutschland geschildert; er versteht nicht, wozu diese Eile in der großen Welt (N. 190). Geschätzt wird Wissen und Wissenschaft. Gleich die erste Anekdote (Wie wer lacht) zeigt den Stolz der Juden auf seinen Verstand. Zahlreiche Anekdoten setzen einige Gelehrsamkeit voraus, manche sind förmlich ,,gelernt4': רבי מכבד עשירים (N. 137). דרך ארץ קדמה לחררה (N. 202), Witze, die an Raschi anknüpfen (N. 244). Eine Reihe ist den Bücherapprobationen gewidmet (N. 206—208). Köstlich ist die Stunde Tora-Unterricht über צפחית (N. 216). Bezeichnend für den Intellektualismus der Juden ist die Anekdote vom Vater, dem sein Sohn Unglück über Unglück berichtet, der aber trotzdem ganz entzückt ist von dem Hebräisch seines Kindes (N. 128). Am höchsten wird in den Geschichtchen und besonders in den Liedchen (N. 334, 371) das Lernen, die Tora geschätzt. ❖ * * Der Sammlung schickt Olsvanger grammatikalische Bemerkungen über ihr Jiddisch voraus und läßt ihr ein Wörterverzeichnis folgen. ,,Zur Einführung" schildert er höchst anziehend und lehrreich das ,,Alltags- und Festleben der Ostjuden," mit feinem Wirklichkeitssinn und mit glühender Liebe für das Judentum. Die ,,Schweizerische Kommission für jüdische Volkskunde" hat mit diesem ersten Bande ihrer Veröffentlichungen unsern Dank verdient. Sie sollte das großartig Begonnene weiter führen, — besitzt sie ja in Olävanger einen höchst berufenen Sammler. Das Werk hat den Beifall Zangwills und Prof. Dr. Ed. Hoffmann- Krayers, des Vorsitzenden der Schweiz. Gesellschaft für Volkskunde gefunden. Hoffmann-Krayer war denn auch Olsvangers nächste Arbeit gewidmet: Contentions with God. A study in Jewish Folk-lore by Dr. Immanuel Olsvanger. Cape Town 1921. Besprochen wird der Rechtsstreit des Menschen mit Gott, wie er sich in Bibel, Aggada, Kabbala, im jüd. Folk-lore und vorzüglich im Chassidismus beobachten läßt. Olsvanger geht vom Streite Jakobs mit dem überirdischen Wesen aus; vergleicht die Fürbitte Abrahams für Sodom mit dem Streit Gottes und Jonas um Ninive; schildert den Rechtsstreit Mosis gegen Gott in Bibel und Aggada, den Kampf um die Seele Mosis, wobei sich die Engel dem göttlichen Willen widersetzen, Hiobs Streit gegen Gott, den Kampf gegen das בת קול, welches dem R. Eliezer Recht geben wollte über den Beschluß der Mehrheit. Auch Jesajas Aufforderung zum Rechtsstreit faßt die Aggada gegen den Wortsinn als Sieg Israels über Gott auf.

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