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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 28

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 28 (sequence 16)
Language
German
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28 Bezeichn ende Beispiele. Ein Vater bittet Wasser. Die Kinder streiten, überbieten einander, jeder will die verdienstliche Tat für sich. Endlich kommen sie überein, die .מצוד ist so groß, sie muß dem Vater selbst überlassen werden (N. 5). Der Kaiser will die Treue seiner Soldaten erproben. Wie sie in Reih, und Glied stehen, fragt er Einen nach dem Andern, ob er auf ihn schießen würde, wenn er (der Kaiser) es selbst befiehlt. Gewiß, antworten sie der Reihe nach. Endlich fragt er einen Juden. Nein, — antwortet dieser. Erfreut fragt der Zar, warum nicht? ,,Ich bin der Trommler“ (N. 78). Räuber überfallen zwei Juden und fordern ihnen das Geld ab. Bevor der Eine es übergibt, reicht er dem andern Juden tausend Rubel zur Begleichung einer früheren Schuld (N. 109). Ein Denunziant droht den Juden, er ־werde sie auch nach seinem Tode verfolgen. Er führt die Drohung aus. Von der Chevra bittet er, man soll ihm die Buße im Jenseits dadurch erleichtern, daß man an seinem Leichnam die vier Todesarten vollzieht. Die Polizei wieder macht er aufmerksam, sie solle erspähen, wie grausam die Juden an ihm Rache üben. Die vier Todesarten werden am Leichnam vollzogen, aber die Vollzieher von der Behörde ins Gefängnis geworfen (N. 125). Ein gesunder, stämmiger Mann bettelt. Ein reicher Jude, den er anspricht, weist ihn zurecht, er soll doch von so viel Kraft Gebrauch machen. ״Gib mir nur kein Geld, dann sollst du sehen, welchen Gebrauch ich von meiner Kraft mache“ (N. 149).* * 5 Polemisches. Die Sammlung ist von einem gewissen Stolze der litauischen Juden getragen. Die Helden der Anekdoten halten sich allgemein für besser als die Russen. Auch der Hochmut des polnischen Adels wird verhöhnt. Ein Jude bietet einem von Kosaken verfolgten polnischen Aristokraten bereitwilligst Zuflucht. Als der Aristokrat aber aus dem Versteck merkt, der Jude habe die Mütze auf, schreit er ihn polnisch an: Jud, die Mütze. So verrät er sich und fällt in die Hände der Kosaken (N. 257). Lustig macht man sich auch über die Zionisten, die sich für die Klügsten halten (264), über den deutschen Juden, der am Neujahrstage Hallei sagen will (N. 178). Die Karäer werden zweimal verspottet. Sie behaupten, ihr Glaube sei der ältere, nach einem Religionsstreit vor dem Kaiser müssen sie jedoch gestehen, er sei der jüngere (N. 259). In Jerusalem bringen es die Karäer niemals zum Minjan (N. 315). Gegen das Christentum kehrt sich manches polemische Stück. Da läßt eine Jüdin für ihre kranke Tochter in der Synagoge beten, schickt aber auch in die Kirche eine Kerze, vielleicht ist das auch ein Gott (N. 254). Christliches und jüdisches Leben und Sterben wird einander gegenübergestellt (N. 256). Der Jude, der die Edelsteine vom Marienbilde stiehlt, behält das Gestohlene als wunderbares Gnadengeschenk1 (N. 258). Ein Geistlicher, sonst ein wackerer Mensch, fragt den Rabbiner, warum der Gott der Juden ein Gott der Rache sei. Er erhält die tiefsinnige Antwort: Unser Gott ist Gott der Rache, d. h. die Rache gehört ihm, uns macht er die Menschenliebe zur Pflicht; der Gott der Christen ist ein Gott der Liebe, die Rache überläßt er den Christen (N. 263). 1 Eigenartigerweise gehen eben jetzt durch die Zeitungen Berichte von einem ähnlichen Wundergeschenk, s. Pester Lloyd vom 1. Sept. 1926, S. 5, Wundertat der heiligen Maria? — Bolte verweist auf Zeitschrift d. Vereins für Volkskunde III, 243.

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