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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 26

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 26 (sequence 14)
Language
German
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26 Nachdem sie lange gewartet hatten, gesellte sich ihnen als Zehnter ein Fremder, der a.ber beim Ausgang des Fasttages verschwand. Dieser Fremde war kein Anderer als Erzvater Abraham, — wie dies ein Engel dem Rabbiner im Traume offenbart (N. 298). Max Grünbaum weist diese Ueberlieferung im kabbalistischen Buche עמלן המלך nach. Grünbaum scheint diese Erzählung auch in New-York von einem Juden aus Jerusalem gehört zu haben ־ (M. Grünbaum, Gesammelte Aufsätze zur Sprach- und Sagenkunde. Berlin 1901, S. 187). Der verstoßene Bruder (N. 294), König David lebt (N. 301), Die verlorene Königin (N. 302), Der Bräutigam mit dem goldenen Haare (304) zeigen ׳eine Verschmelzung von Märchenmotiven, denen wir hier nicht nachgehen können, — einige Hinweise finden sich in Bolte’s Anzeige. Gott vereinigt die Paare. Die Königin von Saba nimmt alle Lehren Salomos gläubig auf, nur daran zweifelt sie, daß Gott die Paare vereinigt. Da ließ nun Kaiser1 Salomo ein Mädchen rauben und auf eine Insel führen. Sein Auerhahn sorgt für sie. Einmal strandet in der Nähe ein Schiff, der Sohn des Kapitäns rettet sich, dringt in die Insel ein. Er heiratet das Mädchen: bei der Hochzeit :singen die Vöglein, tanzen die Tiere. Jetzt wird der junge Mann, -seine Frau und mit der Zeit auch ihre Kinder vom Auerhahn versorgt, bis sie Kaiser Salomo der Königin von Saba vorführt, um ihr zu beweisen, daß Gott die Paare wunderbarerweise zusammenführt <N. 303). Durch das Einschalten Salomos, der Königin von Saba, des Auerhahns, wird das Erkennen des ursprünglichen Märchentypus ׳erschwert. Ich glaube, wir haben es mit dem Typus des Schicksalsmärchens za tun, den Anti Aarne erforscht hat: Der reiche Mann und sein Schwiegersohn (Folklore Fellows Communications Nr. 23) Hamina 1916. Ein reicher Mann (König) erfährt, daß ein armer Mann ihm zum Schwiegersohn bestimmt ist, bietet Alles auf, um das Schicksal abzuwenden, — vergeblich. In einer Gruppe dieser Märchen wird der Kampf gegen das Schicksal noch lebhafter geführt (A. Aarne S. 110—115). Dieser Kampf scheint hier zum Zweifel der Königin von Saba verfeinert, ob הקב״ה יושב ומוווג זיווגים. Unser Märchen scheint nicht gut erhalten zu sein. Einen klarem Sinn gewinnt es, wenn wir voraussetzen, Salomo weiß, daß die Beiden einander von Gott bestimmt sind und teilt der Königin von Saba diese Vorausbestimmung mit. Der Wilnaer Gaon geht durch die Luft, der Baalschem über’s Meer zu Fuß, wie in den Legenden, s. bei Saintyves, Essais de Folklore biblique 307—63 Le miracle de la marche sur les eaux. Das versunkene Kloster. Juden mußten, wenn sie ihre Toten in den Friedhof geleiteten, an einem Kloster Vorbeigehen. Um sie zu ärgern, zieht man im Kloster allemal die Glocken. Das Kloster versinkt (N. 311). Eine Variante der zahlreichen Erzählungen von sündigen Stätten, die versinken. N. 312, 313, 314, Koboldsmärchen. 1 Bezeichnend für diese russisch-jüdische Märchen, daß wir in ihnen statt des gewohnten Märchenkönigs dem Kaiser begegnen; auch Salomo wird zum Kaiser.

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