Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 13)
- Language
- German
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25 Kaiser gerufen, der Todesengel steht heben dem Kaiser. Da droht der Sohn, er werde die Mutter rufen, der Todesengel läuft davon (N. 285). Es ist dies das verbreitete Märchen vom GevatterTod (Grimm 44), von dem bisher drei jüdische Fassungen bekannt waren; diese vierte bei Ols. ist die vollständigste und stimmt mit den übrigen Jüdischen darin überein, daß der Arzt, der den Tod überlistet, des Todes eigener Sohn ist. Elemente dieses Stoffes in der Aggada hat Isr. Levi nachgewiesen, La legende de Bartholomec dans le Talmud, REJ. VIII, 20 X, 66. S.Bolte-Polivka, Anmerkungen zu den KHM. I, 377-388. Der Schwager des Todesengels. Zu einer Jüdin kommt ein Bettler und stellt sich ihr als Schwager des Todesengels vor. Sie befragt ihn über ihre verstorbenen Eltern. Er gibt vor, sie darben nackt in der Hölle. Da übergibt sie dem Bettler für sie Kleider und Speisen, außerdem, als Botenlohn, 50 Rubel. Der Mann kommt nach Hause, entrüstet sich über die Einfalt seiner Frau, setzt dem Betrüger nach. Doch dieser überlistet auch ihn: da er nämlich Käse und Milch an seinem Barte sieht, wirft er sich als Allwisser auf, sagt den! Manne, was er gemessen und nimmt auch ihm 50 Rubel ab (N. 286). Es ist dies der berühmte Schwank, der in Anti Aarne seinen Bearbeiter gefunden: Der Mann aus dem Paradiese in der Literatur und im Volksmunde (Folklore Fellows Communications Nr. 22 Hamina 1915). In Deutschland ist besonders das Märchen von den klugen Leuten (Grimm KHM. 104) bekannt, sowie Hans Sachsens Meisterlied ״Der fahrend Schüler mit der reichen, einfältigen Bäurin,fC sowie sein Fastnachtspiel: Der fahrende Schüler aus dem Paradies. -— S.Bolte-Polivka, Anmerkungen II, 440—451. Eine jüdische Variante war weder Bolte noch Anti Aarne bekannt, doch in einem kleinrussischen und einem weißrussischen Märchen ist die Geprellte eine Jüdin. Der Schluß des Märchens, daß an den Speiseresten erraten wird, was Jemand gegessen, scheint der Aggada entlehnt; ähnlich überlistet R. Meir das Weib des betrügerischen Kidör B. Jöma 83b. Salz zum Abendmahl. Ein Kaiser befragt seine drei Töchter, wie lieb sie ihn haben. Die Erste antwortet: wie Gott; die Zweite: wie alle Diamanten der Erde; die Dritte: wie Salz im Mahl. Der Kaiser verstößt die jüngste Tochter. Sie findet Zuflucht bei einem Rabbiner, wird hier erzogen, vom Sohn des Rabbiners geheiratet. Zum Hochzeitsmahl kommt auch der Kaiser. Seine unerkannte Tochter setzt ihm ungesalzene Suppe vor. Jetzt sieht er ein, wie seine jüngste Tochter recht gehabt hat. Wiedererkennen (N. 293). Das Märchen ist dem Stoff verwandt, welcher dem König Lear zu Grunde liegt und stimmt mit dem Märchen von Prinzessin Mäusehaut überein, welches in der ursprünglichen Sammlung der Brüder Grimm als 71. aufgenommen war, später jedoch wegblieb. Es ist mitgeteilt bei Bolte-Polivka, Anmerkungen zu den KHM. II, 47, siehe auch III, 305. An Stelle des Nachbarkönigs tritt in unserem Märchen der Rabbiner. Abraham als Zehnter beim Gebet. In Hebron fanden sich zur Andacht am Jom Kippur nur neun Männer ein.