Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 23 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829943-2829945-2848904--47325-2848962
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

23 DerPredigerundderBock. Ein Jade zeigt besondere Aufmerksamkeit für den Vortrag eines Maggid. Schließlich ergibt sich, daß ihn der Bart des Vortragenden und seine Bewegungen an seinen verlorenen Bock erinnert haben (N. 214). Aehnliches findet sich in der arabischen Literatur in Algerien, in der mittelalterlichen Literatur Europas, in heutigen Volksüberlieferungen Deutschlands, der Bretagne. S. R. Basset, 1001 contes etc. I, 308, 309. Münch hausiaden (N. 267—274). Einer treibt seine Gänse :auf so hohe Berge, daß sie sich auf die Füßchen stellen und mit den Schnäbeln die Sterne aufpicken (N. 267). Unglaublich1 große Aepfel (N. 268). Ganz wie Münchhausen findet sich das Pferd, bei schrnelzendem Schnee, an die Turmspitze gebunden. (289). Eine Zigarette brennt am Teiche Monate lang (270). Ein Jude wird aus dem Eise eines Teiches gerettet, aus seinem auftauendem Barte fallende Fische bestreiten eine Mahlzeit (272). Wunderbarer Kampf mit einem Löwen (274). Zuweilen wird der Münchhausenschen Lüge ein jüdisches Gepräge aufgedrückt: die.Prager Synagoge ist so groß, daß der Tempel- <liener zu Pferd die עליות verteilen muß; so groß, daß am Chanukka noch die Umzüge von Simchat Tora nicht beendet sind. In der Synagoge brennt eine Lampe aus Bernstein, die hat den Strohhut •der Braut und mit ihm die Braut in die Luft gezogen (271). Köstlich heißt es im Plaudermärchen : man sitzt zu Pessach in der Laubhütte, da kommen die Purimspieler und verlöschen mit den Roschhaschschonohörnern die Chanukkalichter (276). Fettes Geld. Ein jüdischer Baumölhändler hat seinen Laden neben dem Blumengeschäft eines Nicht juden. Eine schmale Wand trennt sie: Der Jude hat die Gewohnheit allabendlich laut das Geld :zu zählen, so laut, daß es sein Nachbar hört. Eines abends zählt er: 5 Rubel in 10 Kopekenstücken, 20 Einrubelstücke, 40 Rubel in Goldmünzen zu 5 Rubel. Der Nichtjude merkt sich die Münzsorten, eilt zur Polizei, beschuldigt den Juden, er habe ihm die und die Summe in solchen Münzen gestohlen. Das Geld wird natürlich beim Juden;gefunden. Der Richter weiß keinen Bescheid, verschiebt den Urteilssprach. Eines Tages sieht er, wie jüdische Kinder ,,Richter“ spielen: die Angelegenheit vom jüdischen Oelhändler mit dem christlichen Blumenhändler wird verhandelt. Da läßt sich das Richterkind Wasser bringen: wenn das Geld dem Oelhändler gehört, müssen auf dem Wasser Fettflecke schwimmen, da seine Finger vom Oel fett sind. Der Richter macht sich die Kinderweisheit zu nutze. Dem Juden wird sein Recht (N. 278). Hier haben wir eine geistvolle Scharfsinnsprobe, bei welcher der Richter sich von einem Kinde unterweisen läßt. Als treffendstes Beispiel ist die Geschichte von Ali Chodjah, dem Kaufmann von Bagdad (in 1001 Nacht) bekannt, welche Joseph Perles eingehend untersucht hat: (Zur rabbinischen Sprach- und Sagenkunde, Breslau 1873, S. 91—95). Er zieht auch die späthebräische Erzählung heran von den zur Aufbewahrung übergebenen Krügen, die oben Honig, 1 Statt לא {אמן (eine unmögliche Form) ist . zu lesen לא תאמינו כי יספר nach Hab 15.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.