Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 10)
- Language
- German
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22 Volksüberlieferung aufgezeichnet. Signr. Freud bespricht diese Schadchenanekdoten in seinem Aufsatz ״Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten/' (Gesammelte Schriften IX, 68, 69). Gut geteilt. Ein Gast teilt die Gans derart, daß er den Kopf dem Hausherrn, die Flügel den beiden Töchtern, die Füße den beiden Söhnen gibt und sich den Rumpf behält (N. 18). 01§. bemerkt, dies habe ihm ein Kind aus Jerusalem erzählt. Nun aber haben wir es hier mit einer alten Aggada zu tun, die in Echa R. I, 4 (zu 1± רבתי בגויים) vollständiger und geistvoller mitgeteilt wird und auch in zahlreichen Volksüberlieferungen wiederkehrt. S. R. Köhler, Kleinere Schriften I, 582, Bolte-Polivka, Anmerkungen zu den KHM. II, 250, 260. Zwei Faule können nicht schlafen, weil die Lampe brennt. Der Eine ist zu faul, sie zu verlöschen, der Andere sogar zu faul, darüber zu sprechen (N. 30). Weitverbreiteter Stoff, s. KHM. 151, Bolte- Polivka III, 207—213. Traum und Backwerk. Zwei Juden finden ein Backwerk. Der Fund soll dem gehören, der Schöneres träumt. Der Eine erzählt, er habe sich ins Himmelreich geträumt. Der Andere behauptet er habe ihn dort im Himmel gesehen und darum das Backwerk aufgegessen (N. 32). Dieser Schwank ist aus der Disciplina clericalis, aus den Gesta Romanorum, aus zahlreichen Volksüberlieferungen bekannt. Jetzt haben wir seine Geschichte bei Rene Basset, Mille et un contes, recits et legendes arabes, I, Paris 1924, 516—518, wo auch folgende Fassung: ein Muslim, ein Christ und ein Jude wetteifern um den Fund. Der Muslim wird von Muhammed ins Paradies, der Christ von Jesus durch die Hölle geführt, dem Juden zeigt Moses den Muslim im Paradies, den Christen in der Hölle, er ißt den Kuchen. (Daß im arabischen Schwank der Jude obsiegt, läßt auf jüdischen Ursprung dieser Fassung schließen.) Gut gefastet. Ein Fuhrmann möchte seinem Pferde das Essen abgewohnen. In immer größeren Abständen reicht er ihm das Futter. Es stirbt. Da klagt er: es hat schon so gut gefastet und jetzt ist es tot (N. 47). In der ungarischen Anekdote klagt der Zigeuner, sein Pferd sei gestorben eben als es sich das Essen fast abgewöhnt hatte. Tausend Rubel. Ein Jude spricht laut den Wunsch aus: Gott möge ihm 1000 Rubel schicken, 999 nähme er nicht. Ein Nichtjude hörts und legt auf die Erde 999 Rubel. Der Jude steckt sie ein. Der Nichtjude fordert sie zurück, es seien ja nur 999. Macht nichts, meint der Jude, es fällt mir ein, ich habe zuhause den Tausendsten dazu (N. 102). Aehnlich erbittet sich Nasr Eddin 1000 Goldstücke, ein Jude wirft in seinen Hof einen Beutel mit 999 und wird noch um seinen Esel und um seinen Pelz geprellt. Bolte verweist auf Zeitschrift des Vereins für Volkskunde XIII, 422. Insterburger Neues. Einer fragt, was es Neues in seiner Heimat gebe. Nichts. Unbedeutendes. Vom Unbedeutenden kommt es zu immer BedeutenderemundBedenklicherem(N. 113). Ebenfalls ein Schwank von Nasr Eddin, — bei Olävanger aber mit einer eigenartigen Spitze: Der Frager erfährt schließlich, daß sein Bruder einen Wechsel gefälscht hat und muß zugeben, daß dies gewiß nichts Neues in Insterburg ist.