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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 21

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 21 (sequence 9)
Language
German
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21 litauischen Judentums erschlossen, auf die seine Volkskunde gegründet werden kann. Diesen staunenswerten Reichtum hat Olgvanger im Ostjudentum gesammelt. ,;Gewährsmänner . . . sind in der Schweiz wohnende Kaufleute und Studenten aus Rußland und Galizien. Einige wenige Stücke wurden jiddischen Sammelbüchern entnommen. Die meisten hier veröffentlichten Geschichten und Lieder stammen aus Litauen. Die Sagen und Märchen werden dem Sammler größtenteils von jüdischen Flüchtlingen aus Jerusalem, die auf ihrer Reise nach Amerika sich einige Wochen in der Schweiz aufhielten, erzählt“1. Nichtostjüdisches findet sich ganz weniges hinzugefügt: im Anschluß an litauische Lügenmärchen gibt Ols. die Uebersetzung von Rabba Bar Bar Chanas Wundergeschichten (N. 288 Tahnudische Münchhausiaden2); ein Stück (N. 196 Ein Rechtsstreit gegen Gott) wird der ungarischen Zeitschrift ,,Mult es Jövö“ entnommen. Der Titel ,,Rosinkess mit Mandlen“ ist einem litauischen Wiegenliede entlehnt, welches die Sammlung ebenfalls mitteilt (N. 334). Volksliteratur nennt 01§. seine Sammlung, mit gutem Recht. Sie ist aus dem Volksmunde geschöpft. Manches in ihr findet sich auch in den Ueberlieferungen anderer Völker, gehört also dem allgemeinen Folklore an. Manches hat sie mit dem außerlitauischen Judentum gemeinsam. Vieles wieder ist dem litauischen Judentum eigentümlich und bietet bezeichnende Züge für das Bild des Ostjuden. Folkloristische Beziehungen. Der verdienstvolle Verfasser hat es sich nicht zur Aufgabe gemacht, auf Stoff geschichtliche Beziehungen hinzuweisen. Ein einziges Mal tut er es. Bei der Anekdote vom Rabbi, der Jedem recht gibt (N. 194) bemerkt O., Manzoni erzählt, ihm habe sein Freund, als Augenzeuge, ähnliches von einem Friedensrichter in Milano berichtet. Und doch, Manches in O.s Sammlung verdient und erheischt Vergleichung. Einiges möchten wir hier bieten. Ente mit einem Bein. Ein Junge ißt ein Bein einer gebratenen Ente und behauptet, die Ente habe nur ein Bein gehabt. Vater verprügelt ihn. Auf einem Spaziergang sehen sie Enten auf einen! Fuße stehen. Der Sohn triumphiert: auch diese haben nur ein Bein. Vater jagt sie auseinander, da laufen sie auf zwei Füßen davon. Der Junge gibt nicht nach: hätte der Vater die gebratene Ente aufgescheucht, vielleicht hätte auch sie das zweite Bein bekommen (N. 21). Aehnliches wird von Sankt Peter und Jesus erzählt. (Dähnhardt, Schwänke aus aller Welt, 33 Hühnchen mit einem Bein. Bolte verweist auf Boccaccio, Decameron VI, 4. Der Jünger des Heiratsvermittlers, der die Aufgabe hat, seinen Meister in der Anpreisung der Braut zu überbieten, übertreibt auch ihre Mängel; schildert ihren Buckel groß wie einen Berg (N. 12). Aehnliches hat Kunos aus der griechischen 1 Schweizerisch-jüdisch klingt die Anekdote vom Studenten, der auf die Frage seiner Professoren antwortet, er sei aus dem Berditschewer Kanton (N. 50). 2 Aehnliches hat bereits Freudenthal für Benfeys Orient und Occident (III, 353—356) geleistet.

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