Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
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17 diese Wunder weiter und fügt ihnen neue hinzu1, sucht deren Ursachen in den Sternen, im Zauber, seltener in natürlichen Erscheinungen. Als Mittel gegen Unfruchtbarkeit gelten Arzneimittel, gewöhnlich Pflanzen, besonders aber das Gebet. Märchenhafte Vorstellungen über Kinderreichtum wird in die Urgeschichte der Menschheit (Adams und Evas Fruchtbarkeit) oder in die selige Endzeit versetzt. An diese Untersuchung schließt sich eine zweite verwandten Inhaltes ebenfalls von L. Wiesner: ,,Die Wertung der Geschlechter im altrabbinischem Schrifttum/' Vielfach wird begründet, warum die männlichen Kinder vorgezogen werden: 1. weil Töchter des Schutzes bedürfen, 2. weil der Sohn erwerbsfähig ist; er gilt als ,,Stab und Schaufel/' er ernährt die alternden Eltern, begräbt die Gestorbenen, 3. der Sohn übt sämtliche Gebote und pflegt die Lehre des Judentums, 4. der Sohn erhält den Namen und den Besitz. — Der Stamm Naftali erfreute sich ausschließlich männlicher Nachkommenschaft. Auch Ortschaften gibt es, gottgesegnete: in כפר דכרין wurden nur Knaben geboren. Wodurch kann männliche Nachkommenschaft erworben werden? Dadurch, daß der Mensch ein würdiges Weib heiratet und seine Ehe sittlich weiht. Der Gerechtigkeitssinn der Ueberlieferung lehnt sich häufig gegen die Zurücksetzung der Töchter auf. Dem Erzvater Abraham wird, um sein Glück zu vervollständigen, von der Aggada auch eine Tochter gewährt. Die Töchter Zelafchads treten dafür ein, daß Gott ein Geschlecht nicht dem andern vorziehen könne: Einen angesehenen Fürsprecher fanden die Töchter in R. Chisda, der sie den Söhnen vorzog: לדידי בנתן עדיפי לי מבני. Das Geschlecht kann durch das Gebet nicht umgewandelt werden, doch im Falle Dinas sei dies wunderbarerweise geschehen. Wiesner teilt auch Sagen und Gebräuche über Voraus Verkündigung des Geschlechtes und über die Botschaft von der Geburt eines Sohnes mit. Er bespricht die Sitte, daß bei der Geburt eines Knaben eine Zeder, bei Geburt eines Mädchens eine Fichte gepflanzt wurde, aus deren Holz bei der Hochzeitsfeier der herangewachsenen Kinder das Trauzelt angefertigt wird. Adolf Löwinger (Szeged) gibt im zweiten Jahrbuch einen Aufsatz über den ,,Windgeist Keteb"2. Er verfolgt die Deutung des in der Heiligen Schrift viermal wiederkehrenden קטב in der Septuaginta, Vulgata, Peschito, im Targum, im. Midrasch und Talmud. Die Amoräer gestalten קטב zu einem Wunderwesen: mit einem Kalbsköpf, mit einem Horn an der Stirne, er wälzt sich wie ein Ball, er hat Schuppen, er trägt ein Auge im Herzen. Löw. verweist auf die Aehnlichkeit mit der Vorstellung von dem Satyr3. קטב wird zu einem bocksartigen Wesen3, zwischen Böcken und Hexen gibt es nahe Beziehungen, da doch Hexen nicht nur auf Besen, sondern auch auf 1 Ueber die Unfruchtbarkeit der Erzmütter haben wir außer Gen. R. 60 die weit reichere Legende bei Gaster, Exempla 287. Auch die Sage von der Geburt des Amoräers Samuel gehört hierher, siehe Marmorstein in Grunwalds Jahrbuch für jüd. Volkskunde I, 315—319. 2 Auch ungarisch Magyar Zsido Szemle 1926, 279—290. 3 Siehe Maurice A. Ganney, The Goat-song, ZAT W, 1924, XLII, 145—147. Monatsschrift, 71• Jahrgang. 2