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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Ein von Resch Lakisch angedeuteter Kopistenfehler in der Mischna
Date
1927-01-01
Page
Seite 12 (sequence 5)
Language
German
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12 Tosifta-Stellen weniger beweiskräftig sind, weil es zweifelhaft ist, ob alle Amoräer sie gekannt haben- Die in unseren Händen befindliche Tosifta als Ganzes ist ein Produkt der nachtalmudischen Zeit. Erst nach Abschluß des Babli hat man die in den verschiedenen Akademien vorhandenen Teil-Sammlungen miteinander verbunden. Die einzelnen Teile der Tosifta stammen, von äußerst wenigen Interpolationen abgesehen, aus der Tannaiten-Epoche, doch die Sammlung als einheitliches Ganzes ist nachtalmudischer Provenienz. Es ist demnach eine schiefe Behauptung, wenn man sagt, der Babli kenne diese oder jene Tosifta-Stelle nicht. Gewiß findet sich nicht alles, was die Tosifta enthält, im Babli und Jeruschalmi, wie andererseits manche Baraitha mit Tosifta-Charakter zuweilen in den beiden Talmuden gebracht wird und hi unserer Tosifta fehlt, aber das Eine wie das Andere findet in der alles eher als vollkommenen Redaktion unsrer Tosifta seine Erklärung. Man kann nur sagen, die Baraitha- Lektoren, die Tannaim der einzelnen amoräischen Akademien haben nur über Teilsammlungen verfügt und konnten demnach nicht alles - wissen, was wir heute durch die Schlußsammlung aller, wenn auch nicht als völlig lückenloses Ganzes, besitzen. Nun, die Tosifta-Stelle, welche zur Mischna Mikwaoth l.c. gehört, hat auch R. Jochanan1 ganz entschieden nicht gekannt, sonst wäre er sicherlich nicht auf den Gedanken gekommen, בנאים mit בונים zu identifizieren. T. Mikw. 6,14b lautet übereinstimmend in den beiden Handschriften Wien und Erfurt wie.folgt: על הבגדים מצד אחד (אינו אחד) אינו חוצץ, משני צדדין חוצץ דברי ר׳ מאיר, ר׳ יהודה אומרימשום ר׳ ישמעאל נאף] של בנאין(אף) כשל (בור) בייר], גדולה מצד אחד(ה>קטנה משני צדדין]. Der Tosifta-Redaktor sieht sich veranlaßt, die Relation R. Jehudas einzuschränken. Während in der Mischna die zum Abtrocknen und Frottieren dienenden Leintücher, auch wo der Schmutz-Fleck ein oberflächlicher ist, d. h. auf der Kehrseite nicht gesehen wird, vor einer nötigen מכילה ausgewaschen werden müssen, hat nach der Tosifta die Relation R. Jehudas ganz anders gelautet. Denn R. Ismael hat zwischen Leintüchern und Waschtüchern einen Unterschied gemacht. Nur bei den ersteren bildet der einseitige Fleck eine חציצה, keineswegs bei den letzteren, u. z. nicht etwa, weil bei ihnen die קפידא fehlt, sondern aus dem viel einfacheren Grunde, weil an ihnen, die mehr ins Wasser kommen und stets feucht sind, der einseitige Fleck von selbst verschwindet. Kann man, so frage ich, bei den Kleidern der Talmide Chachamim einen Unterschied machen zwischen großen und kleinen, zwischen langen und kurzen? Schon die Feminalform גדולה, קטנה weist 1 Selbst Ufa, ein früherer Studiengenosse R. Jochanans, der Taamth 21a sich rühmt, jedem Stückchen Tosifta seine Zugehörigkeit zur Mischna nachweisen zu können, weiß nur von einer Sammlung R. Chijas und R. Hoschajas. In unserer Tosifta jedoch sind alle in den verschiedenen babylonischen und palästinensischen Hochschulen vorhanden gewesenen Teil-Sammlungen wie die von Bar Kapara,Levi und Samuel, wenn auch nicht einheitlich geordnet, so doch immerhin nach den Perakim zusammengestellt, zu einem Ganzen verbunden worden. Demnach scheint das hier angeführte Alinea der Tosifta nicht der Sammlung R. Chijas und R. Hoschajas zu entstammen. Denn in der Akademie zu Tiberias, deren Rektor R. Jochanan war, hat man diese zwei Einzelsammhingen ganz genau gekannt.

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