Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Textkritische Bemerkungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 5)
- Language
- German
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54 das folgende בתוך ירושלים עירך die vermißte Bezeichnung der Wohnstätte. Daß dann auf לעולם ועד noch im selben Satze לדור ודור ולנצח נצחים folgt, ist kein Anlaß, תשכן von תתגדל zu trennen. Nachdrückliche Betonungen dieser Art sind ja in unseren Gebeten nichts Seltenes. Ich zweifle nicht, daß der übliche Absatz nach תשכן auf alter Tradition beruht, und der Punkt oder Doppelpunkt, den unsere Gebetbücher an dieser Stelle auf weisen, sich schon in alten Handschriften findet. Aber ist das ein Grund, einen erkannten Irrtum liebevoll zu konservieren, einen offenbaren Fehler durch die Druckerpresse zu verewigen? Aehnlichen Unterbrechungen begegnen wir zwar auch sonst mitten im Satze. So im Kaddisch nach שמיה רבא, in den פסוקי זמרה vor וכרות, in der Tefiiia der ימים נוראים vor ותמלך. Aber dort sind sie nicht so schroff und gewaltsam; auch haben sie immerhin eine Erklärung. Bei שמיה רבא fallen die Zuhörer mit אמן ein, mit וכרוח beginnt der Wechselgesang zwischen Mohei und Gemeinde, vor ותמלך trägt der Vorbeter zu Musaf ויאתר כל לעבדך vor. Warum man aber zwischen תשכן und תתגדל absetzt, ist mir nie klar geworden. Ich habe schon vor mehr als vierzig Jahren auf diese Ungehörigkeit in der ,,Jüd. Presse‘* hingewiesen. Der Erfolg war keineswegs ermutigend. Ich bilde mir nicht ein, daß meine Stimme mit zunehmendem Alter kräftiger und durchdringender geworden, daß sie jetzt einen stärkeren Widerhall wecken könnte. Darum nehme ich nun zu einem wissenschaftlichen Organ meine Zuflucht. Vielleicht findet ein gelehrter Leser für den weit verbreiteten und durch die korrektesten Ausgaben unterstützten Minliag eine Begründung oder doch eine plausible Erklärung. עלינו לשבח לאדון דכל •7 In der Einleitung zu den Malchujot des Neujahrsfestes ist von der Zensur oder aus Angst vor ihr ein Satz gestrichen worden, der unserer Generation kaum noch bekannt ist. Er lautet: שהם משתחוים להבל ולריק ומתפללים לאל לא יושיע und bildet den unentbehrlichen üebergang von שלא שם חלקנו כחם zu ואנחנו כורעים, das ohne dieses Bindeglied zusammenhanglos in der Luft schwebt. Die heilige Lade wird vor שלא שם auf kurze Zeit geschlossen, aber keiner weiß, warum dies geschieht; denn diese unverfängliche Stelle bietet dazu nicht mehr Anlaß als das vorangehende שלא עשנו כגויי הארצות, das anstandslos vor offener Lade gesungen wird. Es ist endlich an der Zeit, daß die störende, unwegsame Lücke ausgefüllt und der gestrichene Satz wieder ins Gebetbuch auf genommen werde, zumal es sonst wie eine maßlose Ueberhebung.klingt, wenn.wir den Herrn des Alls dafür preisen, daß er uns nicht gemacht wie die Nationen der Länder und den Völkern der Erde uns nicht gleichgestellt hat. Das riecht ja fast nach völkischem Dünkel oder gar nach übelstem Rassenhochmut. Ganz anders hört es sich dagegen an, wenn wir begründend hinzufügen: denn sie verehren Eitles und Nichtiges und beten zu hilflosem Wesen; wir aber huldigen dem König aller Könige, dem Heiligen, gelobt sei. er. So hat es auch einen Sinn, daß bei Erwähnung der falschen Götter die heilige Lade für einen Augenblick geschlossen wird. Daß Christ oder Moslim heute noch glauben könnte, wir meinten ihn, wenn wir von Götzendienern ■ und