Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Symbolik des Körpers in den rituellen Bräuchen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
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46 abgeschnittenen Nägel verbrennt, gilt als fromm; wer sie vergräbt,, als gerecht; wer sie achtlos fortwirft, als ,,Böser“. Es •unterliegt wohl keinem Zweifel, daß bei diesen Maßnahmen eine Stellungnahme gegen Aberglauben und dessen Apotheken, in denen Nägel, Haare etc., verwendet wurden, im Hintergründe ist, wie auch die menschlichen Nägel zu Zauberzwecken dienten, was durch die obigen Weisungen verhindert werden soll1. Das Schneiden soll in einer bestimmten Ordnung geschehen. Ein Merkwort ist für die linke Hand דבהג״א 4. 2. 5. 3. 1, für die rechte 4 .2 .5 .3 .1 אגהב״ד, so daß nie 2 Finger hintereinander geschnitten werden. Ein anderes Merk״ wort ist: ׳קשיא בלא! תירוץ d. h. ■2קמיצה שמאל, ימין .אצבע, באזהרה לך אתה תקוץ יום רביעי והלאה צפרניך■ Ais Begründung dafür gilt ״ סכנהGefährlichkeit״ und קשה לשכחה, daß es die Gedächtniskraft schwächt3. Das Schneiden soll ip der zweiten Wochenhälfte geschehen,, damit die Hände am Sabbat in Ordnung seien. Magen Abr. will,, daß man sie nicht am Sonntag schneide, sondern am Rüsttage zum Sabbat4 und Festtage. Die Nägel der Füße soll man am Donnerstag, die der Hand am Freitag schneiden, weil sie sonst am Sabbat wachsen5. Nach Leket Joscher S. 129 soll man am Rüsttage des Neujahrs״ festes die Nägel nicht schneiden; Haare und Nägel schneide man mit wachsendem Monde, und schneide dem Toten die Nägel an Händen und Füßen, damit er zur Ruhe einzieht in Reinheit, wie er gewöhnlich am Sabbat ins Gotteshaus zu gehen pflegte6. — In der Trauer schneidet man wie die Haare auch nicht die Nägel (siehe ,,Haar“). Betrachten der Fingernägel. Or. ch. 2983: ,,Es ist Brauch, bei dem Lichte der Habdalakerze die Flächen und die Nägel der Hand zu betrachten“. Dazu bemerkt der R'mo erklärend: Man besieht die Nägel der rechten Hand, indem man den Becher in die linke nimmt; beugt die Finger einwärts in die Hand, so daß man die Nägel und Handfläche gleichzeitig sieht, ohne die Innenseite der Finger zu sehen.“ Dementsprechend erzählt Leket joscher7 von Isserlein, daß er, wenn er den Segen über das Licht sprach, den Nagel der linken Hand betrachtete, bis er kam zu den Worten: 1 Vgl. dazu Marmorstein, Beiträge zur Religionsgesch. in Grunwald,. Jahrb. f. jüd. Volkskunde 1923 S. 313. 2 Or. ch. 260, 1 Anm.; Abudr. S. 200. 3 Abudr. (S. 200) bringt namens der Weisen von Zorfat und Provence׳ noch קשה לעניות, ולשכה ולקבור בכים — Verarmung, Vergeßlichkeit und Kindersterben, wozu Machsor Vitry (S. 7 20) ausführlich ergänzt: Man soll zwei Finger nicht hintereinander schneiden, da es schlimm für die Gedächtnis״ kraft ist; nicht mit ,,אמה“ beginnen, da dies schlimm für das Leben der Kinder,, nicht mit "זרת“., da es schlimm wegen Verarmung, nicht mit אצבע, da es schlimm betreffs übler Nachrede ist. Man soll בגודל ובקמיצה beginnen r wer so tut, hütet seine Erkenntnis. Dies stimmt mit den Bezeichnungen der Finger, wie sie Abudr. nennt: 1. זרת .5 ,קמיצה .4 ,אמה .3 ,אצביע .2 ,גודל. 4 Vgl. Or. ch. 260, 1, Magen David. 5 Vgl. Kizzur sch’Io B. 24ä: ,,Der Mensch gewöhne sich, stets am ע״ש die Nägel zu schneiden‘1; ferner Alkaiai, Sechor i’abrahäm hilchoth schaboth s. צפרניים״ צ“. 6 Chochmas odom S. 406, § 8. 7 S. 57.