Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Symbolik des Körpers in den rituellen Bräuchen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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44 Die Mesusa wird zur rechten Hand am Türpfosten befestigt, und man soll sie mit der rechten Hand küssen. Die Braut geht zur Rechten des Bräutigams, entsprechend Ps 4510 1נצבה שגל לימינך. Den Höheren läßt man zur Rechten gehen2. Zedoko soll man mit der rechten Hand geben3. Die Tefillin werden mit der rechten Hand geknüpft4; denn aus Deut 6S, 9 וקשרתם וכתבתם wird abgeleitet; "מה כתיבה בימין אף קשירה בימין" und ferner תפילין זכר לחוזק יד. —• Die Kohanim wenden sich beim Priestersegen von der Lade rechts zum Volke; bei Tachnun soll man sich nach rechts erheben. Die Chanukkalichter werden auf den Leuchter von rechts nach links gesteckt. — Morgens ziehe man zuerst den rechten Schuh an und wasche die rechte Hand mit der linken Hand5; man schneide die Nägel mit der rechten Hand zuerst6. Da also ״rechts״ geachteter gilt als ״links״, so darf man auch die rechte Hand nicht zu niedrigen Verrichtungen benützen7. Man speie nicht nach rechts aus8. — Trotzdem ist die Linke auch bevorzugt, da sie ״כנגד לבו״ auf der Seite des Herzens ist. Man legt die Tefillin am linken Arm und an der linken Hand an, wofür als Begründung gilt והיו הדברים האלה על לבבך, d. h. כנגד לכו בשעת ק״ש. Die Zizis werden mit der linken Hand gefaßt und gehalten. Finger. Die 5 Finger sind gleichsam die Diener der 5 Sinne. 1.אצבע (Geschmack) — אמה.2; לקנות הפה (Geruch)—לשמש הנחירים; 3. קמיצה (Tastsinn) — גודל .4;למשש בכל חלקי הגוף (Gesicht) — זרת .5;לקנח העין (Gehör) — לקנח האמן. Bachja ibn Pakuda9 erwähnt diese Auffassung im Namen der Naturforscher, daß jeder Finger im Dienste eines Sinnes erschaffen sei. Dementsprechend erzählt Leket joscher (S. 7), daß Isserlein den 3. Finger der rechten Hand bezw. der linken Hand für das Waschen des Mundes und der Zähne benützt hat, aber beim Waschen der Ohren sich nicht ge־־ kümmert habe, ob er den 3. oder 5. Finger dazu verwendete. Der Schüler Isserleins Josef ben Mose hat aber von der Tochter eines Arztes gehört, daß man nur den 3. Finger verwende. Er gibt auch an, daß Isserlein obige Art des Verhaltens von einem R. Schalom, Verfasser des Buches ״Sod orchi״, gehört hat. Im Talmud10 hat bereits Bar Kappara die Stelle Deut 2314 gedeutet, daß die Finger dazu dienen, das Ohr zu verstopfen, wenn es Unzüchtiges hört, und R. Eleasar nimmt in einer Deutung Bezug auf die Form der menschliehen Finger, die dem ״יתד״ (Spaten) gleichen. Die Tatsache, daß der Mensch mit geschlossenen Händen (die Finger zur Faust geballt) auf die Welt kommt, mit offenen Händen aus der Welt geht, deutet der Midrasch auf das Streben nach Besitz im Leben, den man beim Scheiden zurücklassen muß. Vielleicht steht damit 1 Vgl. ״rechter Hand angetraut,“ ״Gattin bezw. Ehe linker Hand“. 2 Derech erez, Machsor Vitry S. 728. 3 Kizzur sch’lo 51b; vgl. ferner das Sprichwort: ״Die linke soll nicht wissen, was die rechte tut“. 4 Abudr. S. 30. 5 Or. ch. 24; 410. 6 Or. ch. 260, Anm.; Machsor Vitry 720. 7 Abudr. S. 12.; Or. ch 972. 8 Abudr. S. 53. 0 Ed. Lemherg f. 8a, wo die Bezeichnungen der Finger mit den später angeführten wie bei Abudr. übereinstimmen; vgl. Kaufmann, Die Sinne S. 76. 10 Keth. 5 a.