Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Symbolik des Körpers in den rituellen Bräuchen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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43 Handschlag beim Schwure oder das ,,Geben der Hand“, dem entspreche, daß ein Mensch sich selbst dem anderen überantwortet, dessen Willen und Anliegen auszuführen/‘ Schück1 sagt, daß ein Mensch, der dem anderen eine eidesstättige Versicherung gibt, ihm die Hand gibt, womit gesagt sein soll ,,ich schwöre dir bei den 5 Sinnen (denen die 5 Finger entsprechen, siehe ,,Finger“), die dafür bürgen und dir verpflichtet sind. Hand an die Mesusa legen steht offenbar mit Obigem in Verbindung und soll symbolisch ausdrücken, daß sich der Eintretende oder Scheidende mit dem Bekenntnis zum einzigen Gott identifiziert. Händefalten beim Gebet. — Or. ch. 953 heißt es, ,,man lege seine Hände gegen das Herz, verschlungen die rechte auf die linke“, was At. sek. als einen Hinweis erklärt, daß sich das Erbarmen Gottes über seine Gerechtigkeit erhebe. Nach dem Sohar2 sei es ein Symbol, ■daß der Jezer hara, dargestellt durch die linke Hand, gedexnütigt ist. Die Bemerkung des Magen Abraham z. St. beweist, daß die jeweilige Sitte des Landes auf die Haltung beim Gebet zurückgewirkt hat. Die ursprüngliche jüdische Sitte war das iVusbreiten der Hände. An die Brust schlagen. K. Sch'lo S. 93b sagt bereits, daß man bei dem Sündenbekenntnis mit der Faust gegen das Herz schlage und weiß darin ein ״großes Geheimnis“; es ist zweifellos das Symbol für die Selbstkasteiung, ein Zeichen der Reue und des Schuldbewußtseins. Hand küssen. Die Hand wird als Zeichen der Verehrung, Ehrerbietung gegen Eltern und Lehrer geküßt. Reschith chochma S. 262b: ״Man halte seinen Sohn an, so lange er klein ist, Vater und Mutter, dem Lehrer, großen und frommen Persönlichkeiten die Hände zu küssen; denn der, dem das Kind die Hand küßt, ist dadurch verpflichtet, es zu segnen.“ Böser Geist auf den Händen. Auf den Händen, die während des Schlafes den bloßen Körper berühren oder auch sonst mit Unreinheit in Berührung kommen, ruht ein ״böser Geist“, der durch die Reinigung entfernt wird3. Dasselbe gilt für die Waschung der Hände beim Weggehen von Grab und Friedhof. Rechte und linke Hand. Die rechte Hand gilt als besser, geachteter als die linke, die rechte Seite vornehmer als die linke. 4ימין חשוב יותר מהשמאל. יש חשיבות לימין Deut 332 5 מימינו אש דת. Die Thora ist mit der rechten Hand gegeben worden; daher nimmt man die Thora mit der rechten Hand heraus, trägt sie auf der rechten Seite und stellt sie mit der rechten Hand ein. Der Lulab wird in der rechten Hand gehalten, weil er 3 Arten vereint, während der Ethrog nur eine Mizwa darstellt, daher in der linken Hand ruht6 7. — Der Schofar wird nach rechts gehalten, mit bezug auf Sech \ 7והשמן עומד צל ימינו. — Der Kidduschbezw. Habdalabecher sowie jede Frucht, über die man Segen spricht, werden mit der rechten Hand gehalten, denn ״der Segen ist in seiner Rechten“. — 1 Sidur haminhagim IV, S. 19a. 2 Mikez 198b. 3 Abudr. S. 26. 4 * Abudr. S. 30. G Kizzur sc.h’lo 64b, Maharil 49b. 6 Succa 37b, Bai hal. ged., Sidur Rasch! S. 130. 7 Vgl. Sohar, Mikez S. 198b.