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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 42

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 1
Article
Die Symbolik des Körpers in den rituellen Bräuchen
Date
1926-01-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 dienstes zu gelten, und zwar nicht ausschließlich im Judentum. Es handelt sich hier um ,,Bräuche", nicht um ausgesprochene ethische und moralische Gesetze1. Die Bräuche sind die Ranken, die dem Weinstocke der Religion Halt verschaffen, den Stamm aufwärts heben. Sie haben eine nicht unwichtige Aufgabe; darum sind sie der Beachtung und Forschung wert. Arm, Hand, Finger, Fingernagel• Die Hand ist das Organ der Tätigkeit und Ausführung. ,,״ד" bedeutet daher auch ,,Macht, Leitung, Stellvertretung und schließlich Vermögen". Die Hand vermittelt den Segen. Der Segnende legt seine Hand auf das Haupt des zu Segnenden2. Bei dem Priestersegen breiten die Kohanim ihre Hände gegen das Volk aus, heben sie bis zu Schulterhöhe, strecken sie aus und spreitzen die Finger mit bezug auf Cant 29 ,,מציץ מן החרכים" d. h. מציץ מבין חרכי אצבעותיהם ,,die Herrlichkeit. Gottes schaut zwischen den Räumen ihrer Finger hindurch"3. Daher ist das Symbol für Priester auf Grabsteinen das Bild zweier segnender Hände mit der vorschriftsmäßigen Fingerstellung (siehe weiter ,,Finger"). Bei dem sogenannten ,,Lichtbenschen", mit dem die Frauen die Sabbatlichter nach dem Entzünden benedeien, ist es üblich, die Hände segnend darüber auszubreiten. Von dieser Sitte hat R. Isserlein keinen Gebrauch gemacht4 und, zwar deshalb, weil durch das Beschatten der Lichter mit den Händen eigentlich der ,,Friede des Hauses" (Zweck der Sabbatlichter) noch nicht erreicht ist, daher auch der Segensspruch im Grunde noch unangebracht ist. ,,Die Hände auf den Sarg stützen" bedeutet symbolisch für den Toten um Erbarmen flehen. Dies wird begründet mit dem Verse Jes 2619: ,,Möchten wieder aufleben deine Toten, meine Leichname wieder auf erstehen! Erwachet und jauchzet, die ihr im Staube ruht! Denn ein Tau auf Kräuter ist Dein Tau, aber zur Erde lässest Du jene Schatten sinken". Der Vers enthält im Texte 15 Wörter, die den 15 Knochen bezw. Teilen der menschlichen Hand entsprechen5. Ebenso enthält der Priestersegen 15 Wörter, die gleichfalls der menschliehen Hand entsprechen; daher legt man wie beim Segnen auf das Haupt des zu Segnenden, auch bei dem Toten die Hände auf den Sarg oder das Grab6. Verschlungene Hände sind ein Symbol des Ehebundes, finden sich daher vielfach auf den Trauhimmeln, ,,Chuppa" genannt. Schwören. Man hebt die Rechte Hand in die Höhe7. Die älteste Sitte dürfte jedoch anders gewesen sein Gen 242 שים נא ידך תחת ירכי, wozu bereits Raschi bemerkt: weil jeder Schwörende etwas Heiliges wie z. B. eine Thorarolle oder Tefillin zur Hand nehmen muß, so wählte Abraham die Stelle, welche ihn an das Gottesgebot erinnerte, das von ihm mit Schmerzen ausgeführt wurde," vgl. Schewuoth 38 b צריך לאתפושי חפצא בידיה. Stellvertretung des Schwures ist der Handschlag תקיעת כף. Ibn Esra bemerkt zuEsral019 ויתנו ידם (sie gaben ihre Hand darauf, daß . . .): ,,Hinweis auf 1 Vgl. MGWJ 67, 205 ff. 2 Vgl. Gen 48u. 3 Abudr. S. 64. 4 Leket Joscher S. 50. 5 Vgl. Schlick, III Toldoth Menachem § 33 S. 32a. 6 Reschith chochma 262b, Toldoth Men. S. 32, No. 34. 7 Vgl. Gen. 142g.

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