Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über Jekutiel ibn-Hassan im Zusammenhang mit einer Erklärung mehrerer Gedichte ibn-Gabirols
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 8)
- Language
- German
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22 Helden dagegen unserem Dichter solch rührende Verse zu entlocken vermochte, und daraus folgern, daß Jekutiel trotz seiner Schroffheit einer aufrichtigen Anhänglichkeit würdig war. Allein dieser Umstand verliert bedeutend an Beweiskraft durch die bekannte Tatsache, daß durch Jekutiels Tod die Position des Dichters sehr erschüttert wurde. Es ist sogar die Vermutung ausgesprochen worden, daß auch die Ausweisung des Dichters aus Saragossa mit diesem Tode im Zusammenhang stand (Davidson, מחברת משירי קדש S. XXIV). Nach unserer Darstellung läßt sich dieser Zusammenhang leicht finden. Wir haben oben (S. 19 Anm. 2) bereits angedeutet, daß die Einwohner von Saragossa in dem Dichter einen Mitschuldigen ihrer Bedrückungen sahen, da er einerseits die Gunst des allmächtigen Jekutiel genoß, anderseits ihn moralisch verteidigte. Mit dem Tode Jekutiels war auch das Los des Dichters entschieden, nur wollte man eine passende Gelegenheit ab warten, um die geplante Maßregelung auszuführen; diese bot sich bei der Veröffentlichung des philosophisch - ethischen Werkes des Dichters, des Kitäb Tsläh al ,Ahläq, wo er unvorsichtigerweise das angedeutet hatte, was ohnehin längst allen bekannt war1. Jedenfalls trug des Dichters Klage auf Jekutiel eine persönliche Färbung. Auf ganz analoge Weise lassen sich in einem andern Gedichte unseres Dichters, das als Huldigungsgedicht zu Ehren Jekutiel aufgefaßt wird, zwei schwierige Verse erklären. Im Gedicht בחר מהחלי schreibt er: והמדע בראש דרכי אלהים ושמהו כמו מלך עלי כל והאל ממאור כה [ו] כמסי וכתב שם יקותיאל בנסו (D. S. 12 V. 11, B-R. S. 4635 f•; Emend. von Brody). Geiger übersetzt: ,,Das Wissen ist der Gottheit edle Zier. Auf seinem hocherhabenen Panier steht Jekutiels Name eingeschrieben“ (S. Gab. S. 41; die 2. Hälfte des 1. und die 1. des 2. Verses sind nicht übersetzt). Nun ist es aber bei allem Ueberschwang schwer denkbar, daß der Dichter Jekutiel als Persönlichkeit, die mit der Gottheit in unmittelbarer Berührung stand, bezeichnete; auch dachte er hier bei מדע kaum an profane Wissenschaften; der 1. Vers ist vielmehr eine Anspielung auf die Worte ה׳ קנני ראשית דרכו 4 4 ♦ נסכתי מראש Pr 822,23 (statt כמס ו ist vielleicht נסכו zu lesen, eine leicht erklärliche Ver- Wechselung), welche der Talmud mehrmals auf die Tora deutet (z. B. Pesachim 54a); die 1. Hälfte des 2. Verses ist eine Anspielung auf: בי מלכים ימלכו Pr 815, wieder nach der talmudischen Deutung (Gittin 62a); endlich ist die 2. Hälfte des 2. Verses eine Art Umdeutung von ויקרא שמו ה׳ נסי Ex 1715. Der Dichter brauchte diese Verse bloß, um bei Erwähnung des Namens Jekutiel auf sein eigentliches Thema, auf die Huldigung, eingehen zu können, wie das in der arabischen Poesie häufig vorkommt, wie auch Moses ibn-Esra in seiner Poetik (Halper S. קצל) eben unsern Vers als Beispiel für diesen Brauch in der Poesie 1 איני מאריך לובור את שמם מפני שהם ידועים (hebr. Uebers. von Ibn Tibbon unter dem Titel תקון מדות הנפש Lyak S. 1ןט.