Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über Jekutiel ibn-Hassan im Zusammenhang mit einer Erklärung mehrerer Gedichte ibn-Gabirols
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 4)
- Language
- German
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18 spielttng auf Taanith f. 9a1 und nun hebt er die Namensverwandtschaft seines Helden mit Moses hervor2. Es wird also zu übersetzen sein: Die Gottesweisheit, die er kundig lehrt, Dessen Namen Gottes Gesetzgebung trägt. Ich glaube, daß das argumentum ex silentio des Dichters sowohl hier, als auch in seinem großen Klageliede: כימי יקלתיאל, wo er unter den 12 Gruppen von Menschen, welche Ursache hätten, den Tod des von ihm angebeteten Jekutiel (12 יבכו Mal) zu beweinen, die Astronomen nicht mit anführt, genügt, um daraus zu folgern, daß der letztere tatsächlich mit der Astronomie nichts zu tun gehabt. Merkwürdigerweise haben es die Ausleger Gabirols, die sich so eifrig bemüht haben, auf Grund von zweifelhaften und nichtssagenden Andeutungen Jekutiel als Astronomen darzustellen, nicht der Mühe wert gehalten, eine allgemeine Charakteristik dieser markanten Persönlichkeit zu geben, die vielleicht auch zur Erweiterung unserer Kenntnisse über den Dichter selbst beigetragen hätte. In dieser Beziehung ist gerade unser Gedicht besonders lehrreich. Prüft man es näher, so erkennt man, daß es nicht, wie Luzzatto, Dukes, Geiger, Brody, Bialik u. a. annehmen, eine Huldigung an Jekutiel, sondern eine Verteidigung desselben ist. Nur auf diese Weise sind die vielen Zugeständnisse des Dichters bezüglich seines Helden in diesem Gedichte begreiflich. Letzterer hat in seiner Eigenschaft als Regierungs-Dajan3, oder vielleicht Träger eines andern staatlichen Amtes, tief in das Leben seiner Nebenmenschen eingegriffen, wobei sich Härten, die das Maß des Gewöhnlichen oder des Gerechten 1 Anspielungen auf talmudische Stellen findet man bei ibn-Gabirol auch sonst: s. z. b. מכתוב מדרש ביד מין (B־R. s. 2447) — Gittin 45b ס״ת שכתבנו וכבן מוריה מתרה שיבתי;מין (B-R. S. 3 320) י־ Berachoth 28 a; אש באתים נפלה מה יעשו אפוא אוובי־קיר (D. S. 31 V. 4, fehlerhaft: איפה ♦ ♦ ♦ הקיר, B-R. S. 4541—42)» s. Moed-Katon f. 25b. ואם את כמו אחד אבי המאריכו (B-R. S. 8117—18); s. Berachoth f. 13b. Wahrscheinlich ist auch der Vers: ואיה הר אשר יהיה כסיני (B-R. S. 892ß) eine Andeutung auf das talmudische Epitheton: סיני ועוקר הרים, welches der Dichter Haja Gaon beigemessen hat. Weitere Beisp. s. im folgenden. Diese Bsp., auch zusammen, erschöpfen keineswegs das gesamte Material. Es ist dies aber nicht so aufzufassen, als wenn der Dichter talmudische Anspielungen als solche suchte. Nein! er befand sich vielmehr in einergroßen Notlage: es stand ihm nämlich keine Sprache der Worte, in der er seine Bilder und seine Empfindungen hatte ausdrücken können, zur Verfügung. Er mußte deshalb zu einer Sprache der Symbole seine Zuflucht nehmen, um durch manchmal nur annähernd fertige Bilder oder Sentenzen (daher zum Teil seine Uebertreibungen) bei dem Leser das gewünschte Bild oder die gewünschte Empfindüng hervorrufen zu können, gleichviel wo sich diese Stellen befänden: in der Bibel, im Talmud oder in einem arabischen Gedichte, wenn sie nur dem damaligen gebildeten jüdischen Kreise geläufig waren. 2 Bei der Wichtigkeit, die man im Mittelalter bei der Beurteilung des Charakters eines Mannes seinem Namen beizumessen pflegte (s. Joma f. 83b י(ר' מאיר הוה דייק בשמא darf es nicht Wunder nehmen, wenn der Dichter bei der Aufzählung der Vorzüge seines Helden, diese schmeichelhafte Namens- Verwandtschaft mit heran zog. 3 וטרם יחרים ישמע (das.); auf einen Dajan aber, der nicht vom Staate aufgezwungen wurde, würden sowohl die außergewöhnliche Macht, als auch die außergewöhnlichen Grausamkeiten, die Jekutiel hier, wie wir bald sehen werden, zugeschrieben sind, schlecht passen.