Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Systematische Philosophie
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 liegt der Selbstzweck der Völker, ihre innere Bestimmung, ihre nationale Idee. So haben Individualität, Volk und Allheit eine teleologische Wechselbedingtheit in Wertschau und Wertverwirklichung. Wir müssen es uns versagen, die auf diese prinzipielle Grundlegung der Ethik sich aufbauende Charakteristik der Rangordnung der Werte näher darzulegen. Es möge genügen, darauf hinzuweisen, daß diese Reihe vom Wert der Vitalität, zum Wert des Bewußtseins, zum Wertbewußtsein, zum Wert der Persönlichkeit und ihrer Kräfte der Gesinnung, der Willensfreiheit, der Vorausschau zur Schau der Werte aufsteigen, die von den Werten des Subjekts zu unterscheiden sind. Solche Werte sind der Wert des Daseins der Lebensumwelt, der Situation, des Glücks, der Macht. Das engere Reich der eigentlieh sittlichen Werte ist das Gute als die Richtung auf den höheren Wert, die Auslese der Werte nach dem Prinzip der Werthöhe, das Edle als die Anforderung des Ungemeinen, die das Enge und Kleingeartete ausschließt. Der Wert der Fülle als des allseitigen Geöffnetseins für das Reich der Werte, der Wert der Reinheit, die alles ausschließt, was gegen einen Wert verstößt. Die speziellen sittlichen Werte, die in den platonischen Tugenden und vor allem in der Nikomachischen Ethik des Aristoteles in reicher Schau bestimmt werden und alsdann in dem Ethos der Nächstenliebe sich zu einer höheren Schicht der Werte erheben. Ueber diese erhebt sich das Ethos der Fernstenliebe, das Ethos des Fortschritts, der Idealbildung, mit welcher sich die schenkende Tugend verbindet, der Wert der persönliehen Liebe (S. 305—495). Die so gewonnene Werttafel wird weder als vollständig noch als eindeutig in ihrer inneren Ordnung angesehen. Die Spannweite des Wertreiches ist größer nicht nur als die des philosophischen Wertbewußtseins, sondern auch als die des primären Wertgefühls. Wir kennen weder die untere noch die obere Grenze des Wertreichs, sondern nur einen mittleren Ausschnitt (S. 564). Die Werttafel ist die eine Hälfte des ethischen Problems. Die andere Hälfte ist die Metaphysik der sittlichen Akte. In deren Zentrum steht das Problem der Willensfreiheit. Sittliche Werte wie sittliche Akte verlieren ohne die Grundlage der Freiheit ihren eigentlichen Sinn. Es sind Werte und Akte eines prinzipiell freien Wesens. Ist der Mensch kein solches Wesen, so sind seine Akte weder gut noch böse. Diese Freiheit aber kann nicht in negativer Indifferenz bestehen, sondern nur in einer eigenartigen positiven Bestimmtheit, in einer den Werten selbst eigentümlichen Determination, einer Autonomie des Willens, ,,Freiheit im positiven Verstände Die positive Freiheit besteht darin, daß der menschliche Wille außer der kausalen Determiniertheit noch ein Plus an Determination erfährt, welches in den Kausalmomenten nicht enthalten ist, eine Determination durch das Sittengesetz, durch die Kraft der Werte, den Willen des Menschen zu bestimmen. Diese Kraft ist eine anders geartete als die kausale Determination. Sie ist bloße Forderung. Und es ist das Eigentümliche im sittlichen Wesen des Menschen, •daß unter den Motiven, die ihn innerlich bestimmen, diese Forderung