Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 1
Article
Systematische Philosophie
Date
1926-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829937-2848790--46645-2848834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 Stellung des Menschen innerhalb des Seins. Eine teleologische Ein- Ordnung des Menschen in die Natur verdunkelt die vom Menschen ausgehende Teleologie (S. 171 ff.). Da die Personalität das existierende Subjekt zur Voraussetzung hat, in dessen auf Werterkenntnis und Verwirklichung gerichteten Akten die Persönlichkeit besteht, ist es unberechtigt, den Begriff der Personalität da anzuwenden, wo die Grundlage des existierenden Subjekts nicht ontologisch gegeben ist. Das ist sowohl bei den Gesamtpersonen Volk, Staat, Kulturkreis, Menschheit, als auch beim Gottesbegriff der Fall. Die Einheit dieser überindividuellen Gebilde wurzelt nicht in einer Subjekteinheit, sondern in einer Einheit des Inhalts, einer Objekteinheit. Aber es liegt auch im Interesse der Ethik, jede Erweiterung des Personenbegriffs über die Sphäre des Menschen hinaus zu ver־־ meiden. Denn gibt es Personen höherer Ordnung, so liegt es nahe, anzunehmen, daß die höheren Werte auch den Personen höherer Ordnung zukommen, dem Menschen aber nur die niedersten sittlichsten Werte. Das gibt ein schiefes Bild. Sittliches Subjekt, insofern es der Ethik erfaßbar ist, ist einzig der primäre Träger der sittlichen Werte und Unwerte, der Mensch. Damit wird nichts über die Rangordnung der Werte bestimmt, sondern lediglich über das Recht, sie als Personenwerte zu erklären. So betont Kartmann gegen Scheler die scharfe Grenze, die die Ethik von der Theologie und dem mataphysischen Personalismus scheidet (S. 226 und 293). Beruht nun alle Moral auf echter Wertschau, und ist alle Wertschau apriorisches Erfassen der Wertwesenheiten, so kann die geschichtliche Relativität der Moral nicht auf geschichtlicher Relativität der Werte, sondern nur auf einer solchen der Wertschau beruhen. Jede geltende Moral erkennt nur einige Werte, oder auch nur einen einzigen, den sie dann heraushebt, um alles übrige auf ihn zu beziehen. Jede geltende Moral hat aber darum, wie einseitig sie auch sein mag, einen Wahrheitsgehalt. Der Ethik erwächst die Aufgabe, soweit es möglich ist, zum System der Werte vorzudringen (S. 261). Die Einheit der Werte, welche die Ethik sucht, ist aber nicht die Ableitung der Werte aus einem höchsten Wert im Sinne einer logischen Deduktion, sondern die Einheit einer ethischen Rangordnung der Werte, die sich selbst dem apriorischen Wertgefühl erschließt. Nicht auf einen Monismus des Wertes darf sich die Ethik festlegen gegenüber der Vielheit der Moralen, wohl aber muß sie am Monismus der Ethik festhalten, der einheitlichen Rangordnung in der Vielheit der Werte (S. 266). Andererseits erschließen sich die Werte nur der sittlichen Individualität, die selbst in die Individualität des Volkes eingeschlossen ist. Die Allheit besteht nur in den Individuen, denn sie besteht aus ihnen. Die Idee der Menschheit selbst kann die völkische Individualität so wenig entbehren wie der Staat die persönliche Individualität. Die Mannigfaltigkeit und selbständige Wertdifferenz ist für die Entfaltung des Menschentums und seines Ethos nicht weniger wesentlich als die überragenden Zusammenhänge. Darin

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.