Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Systematische Philosophie
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 Aber auch die Erkenntnisprinzipien haben ebenso.wie die Seins- Prinzipien ein von ihrer Erkennbarkeit unabhängiges ideales Ansichsein. Sie sind seiende Prinzipien der Erkenntnis, die durch die Erkenntnis nur erfaßt, nicht begründet werden. Aber auch diese Prinzipien der Erkenntnis sind nicht durchgängig rational. Das Wesen von Einheit, Continuum, Dimension, Raum, Zeit, Kausalität ist nicht vollständig rational zu durchleuchten und dann bleibt noch die Frage, warum gerade diese Prinzipien walten und nicht andere und dieses Warum ist überall grundsätzlich unbeantwortbar. Dadurch aber ist die Erkenntnis von vornherein ganz fest über das Erkennbare hinaus auf das Unerkennbare bezogen. Sie hat ein deutliches Bewußtsein seines •Vorhandenseins (S. 257—267). Aber auch die Erkenntnis logisch-idealer Gebilde ist eine Erkenntnis bewußtseinstranszendenter idealer Gegenstände. Die Antinomie, die in der Vereinigung von Ansichsein des Objekts und Erfaßtwerden durch das Subjekt liegt, ist ein Seitenstück zu der verborgenen ,,transkausalen“ Determination des Subjekts im Wahrnehmungsakt durch das real gegenwärtige Objekt. So wird die Frage nach dem Wahrheitskriterium im ganzen Umkreis apriorischer und aposteriorischer Erkenntnis durch die Transzendenz des Erkenntnisgegenstand.es von neuem in Fluß gebracht. Es erweist sich, daß das Rationale ein Vermitteltes, Bedingtes zwischen der Irrationalität des Objekts und des Subjekts ist. Erkenntnis a priori gibt es soweit, als die Seinskategorien mit Idealkategorien zusammenfallen, die in Erkenntniskategorien vom Bewußtsein erfaßt werden. Das sind drei durchaus verschiedene Kategoriensphären, die sich teilweise decken. Der Umkreis der ratio ist die Reichweite des Denkens im Sein. Aber weder das Subjekt noch das Objekt gehen in dieser Zone auf , sie ragen mit einem irrationalen Restbestande über sie hinaus. Diese ontologische Immanenz der Erkenntnisprinzipien im Sein hat den Sinn einer Einbettung des Rationalen in eine größere Sphäre des Irrationalen. Die ontologische Umkehrung gliedert die Vernunft in ein größeres Seinssystem ein, das sich nicht nach ihr richtet und bewegt, in welchem sie vielmehr selbst das Abhängige und Sekundäre ist. Begriffe sind an sich rationale Gebilde, aber sie bezeichnen ein partial Irrationales, oder vielmehr sie deuten es an (S. 285 und 292). So vollzieht Hartmann besonnen und energisch eine Synthese von Rationalismus und Irrationalismus, Phänomenö״ logie und Metaphysik. ' : Nicolai Hartmann: Ethik. Verlag Walter de Gruyter «Sc Co. Berlin und Leipzig 1926. Wie Hartmanns Grundzüge einer Metaphysik der Erkenntnis eine bedeutsame Verbindung der Phänomenologie und eines kritischen. Realismus darstellen, ruht Hartmanns ,,Ethik“ auf der von Scheler begründeten phänomenologischen Ethik. Mit diesem lehnt H. bei voller Würdigung der kantischen Ethik in ihrem negativen Teil, d. h. der Ablehnung einer empiristischen Ethik, ihre Begründung als apriorische formale Ethik ab. Wie die . Prinzipien der , Erkenntnis nicht konstruktive Schöpfungen der Vernunft sind, sondern auf apriorischer . Schau