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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 9

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 1
Article
Systematische Philosophie
Date
1926-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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& retischen Untersuchungen dem Neukantianismus gegenüber geltend machten1. So ist es die energische Hervorhebung der metaphysischen Grundlagen und Voraussetzungen der Erkenntnis selbst, durch welche nicht die logische Struktur der Erkenntnis verdunkelt werden soll, sie aber in das rechte Verhältnis zu den immanenten metaphysischen Elementen der Gegenstandserkenntnis gebracht wird. ,,Die Kehrseite ihres (der Erkenntnistheorie) eigenen Wesens besteht darin, daß es auch eine kritische Metaphysik gibt, welche das unentbehrliche Prolegomenon einer jeden Erkenntnistheorie ist, die es als Wissenschaft nicht nur mit der logischen Struktur oder psychischen Erscheinungsform der Erkenntnis, sondern mit dem ewig rätselhaften Kern in ihr auf nehmen will“ (S. 5). Dahin gehört der vieldeutige Begriff des Seins, insbesondere seine heftig umstrittene Fassung als Ansichsein, und im Zusammenhänge damit der Begriff des Gegenstandes. Die Verschiebung am letzteren muß gleichzeitig auf die für das Erkenntnisproblem grundlegende Relation zwischen Subjekt und Objekt rückwirken. Noch durchgreifender fällt die Neugestaltung des Aprioritätsbegriffs auf, den es in seiner metaphysischen Grundbedeutung zu erfassen gilt (S. 9). Im engsten Zusammenhang damit wiederum ist es geboten, das Verhältnis der ratio und des Irrationalen neu herauszuarbeiten und besonders dem letzteren jenen zweideutigen Charakter eines unklaren oder mystischen Rätselbegriffs zu nehmen, der ihm mit Vorliebe nach־ gesagt wird, und ihm die positive Bedeutung zu sichern, die es als Grenzbegriff der Erkennbarkeit unweigerlich beanspruchen darf. Es ist an sich nicht metaphysischer als das Rationale, dessen Fort־ Setzung es ist. Die allgemeine Aufgabe, die hieraus erwächst, kann also nur die einer Grenzregelung zwischen den beiden partial sich deckenden Inhaltsgebieten des Logischen und des Ontologischen sein. Ebenso befarf es einer Grenzregelung im Verhältnis von Erkenntnistheorie und Psychologie. (Ebda.) So ist es die Wirklichkeit der Dinge an sich, ihre Repräsentation im Bewußtsein durch die Empfindungen, die metaphysische Bedeutung der Beobachtung und des Experiments, der über den logischen Funktionsbegriff hinausgehende Gehalt des Substanz- und Kausalgedankens, die alogischen Strukturmomente, mit denen die Kategorien aus der logisch-idealen Sphäre in eine ihr heterogene Sphäre der Irrationalität hineinragen, welche von Hartmann als irrationaler Kern des Erkenntnisproblems scharf beleuchtet werden. Die Annahme an sich seiender Gegenstände ist die Voraussetzung der Erkenntnis selbst, das Verhältnis der Erkenntnis zu ihrem Gegenstände ist das Problem der Erkenntnistheorie, das zugleich ein ontologisches ist. Es erweist sich die Wirklichkeit nicht als durch die Erkenntnis konstituiert, ja nicht einmal als restlos rationalisierbar. 1 Vergl. A. Lewkowit&: Die Religionsphilosophie (h's Neukantianismus, Zeitsclir. f. Philos. u. philos. Kritik, Bd. 144 (1911); Krisis der modernen Erkenntnistheorie, Arch. f. System. Philos., Bd. 21 (1915); Hermann Cohen: Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums, MGWJ 1921; Religiöse Denker der Gegenwart S. 44—57.

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