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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 8

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 1
Article
Systematische Philosophie
Date
1926-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 schütterung des religiösen Bewußtseins erlebt wird, und auf der Innigkeit der Verschmelzung des religiösen Bewußtseins mit den sittlichen Werten ruht die Ursprünglichkeit und Kulturhöhe der religiösen Erfahrung. Nie aber löst das religiöse Bewußtsein die Einheit von Sinn und Wirklichkeit, wie sehr die Sphäre, in der diese Einheit erlebt wird, sich mehr und mehr über der sinnlichen Wirklichkeit zur Höhe des transzendenten Gottesbewußtseins erhebt. Nie aber wird die Wirklichkeit Gottes dem Religiösen zum bloßen Symbol einer Idee. Und ebenso handelt es sich in der religiösen Erfahrung primär nicht um die magische Beherrschung der Wirklichkeit, sondern um die Gestaltung des menschlich-persönlichen Lebens in Gemäßheit der religiösen Erfahrung des Wesens und Willens Gottes. Die Innigkeit der Religiosität verleiht dem menschlichen Leben, auch dem sittlichen Wirken erst die geheimnisvolle Tiefe des religiösen Lebens. Religion und Magie gehören nicht den gleichen seelischen Sphären an; in der Religion unterwirft sich der Mensch Gott, in der Magie strebt er, die Welt sich untertan zu machen. Wie in dem Zusammenwirken aller seelischen Energien sich das religiöse Gefühl mit dem sittlichen Willen unauflöslich verbindet, bewegt es auch das Denken und die Phantasie zur Gestaltung der religiösen Objektserfahrung des Heiligen. Das mythische Denken aber ist erst ein Mischprodukt der religiösen Erfahrung und der phantastisch-intellektuellen Auffassung der Wirklichkeit nicht aber der reine Ausdruck des mystisch-religiösen Bewußtseins. Dieses lebt in dem unaussprechlichen Geheimnis der Erfahrung des Heiligen. So ist das religiöse Bewußtsein ebensowenig mit dem Mythos als mit der Magie identisch. Eine Phänomenologie des religiösen Bewußtseins wird nicht das mythische Denken und nicht das magische Weltbild, sondern die religiöse Erfahrung zu analysieren haben, um welche das mythische Denken nur eine periphere Schicht bildet und welche mit magischer Weltbeherrschung nichts gemein hat. Die religiöse Ueberwindung des Mythos aber ist nicht die Verflüchtigung des religiösen Objekts, des Heiligen zum Symbol der Idee, sondern die Sonderung des Heiligen von allen ihm nicht zugehörigen Elementen sinnlichen Daseins. Der Neukantianismus hebt wie die Existenz der Wirklichkeit auch die Existenz Gottes und damit den Sinn der religiösen Erfahrung auf. Nicolai Hartmaim: Grundzüge einer Metaphysik der Erkenntnis. 2. Aufl. Berlin, Walter de Gruyter & Go., 1925. Gegenüber dem absoluten Rationalismus des Neukantianismus und seiner Vernichtung aller metaphysischen Probleme durch die Negation einer wissenschaftstranszendenten Wirklichkeit begrüßen wir in N. Hartmann den scharfsinnigen Begründer eines kritischen Realismus. Selbst aus der Marburger Schule hervorgegangen und mit allen Gedankengängen des Neukantianismus vertraut, weiß er aus dem Zentrum der erkenntnistheoretischen Arbeit heraus den Logizismus der Marburger zu überwinden. Mit besonderer Genugtuung stellen wir fest, daß die Argumente Hartmanns vielfach die gleichen sind, die wir in unseren eigenen erkenntnistheo-

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