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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 7

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 1
Article
Systematische Philosophie
Date
1926-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 in dieses Dasein, das sie ihrem letzten intelligiblen Ziele nach von sich abzustoßen strebt, ständig von neuem eintauchen, weil sie nur in ihm ihre Aeußerungsförmen und somit ihre konkrete Wirklichkeit und Wirksamkeit besitzen. So gehört das Ineinander und Gegeneinander von Sinn und Bild zu den Wesensbedingungen der Religion. Würde an Stelle dieses In- und Gegeneinander jemals das reine und völlige Gleichgewicht treten, so wäre damit auch die innere Spannung der Religion aufgehoben, auf der ihre Bedeutung als symbolische Form beruht. (S. 319.) Die Forderung des Gleichgewichtes wird nicht von den Symbolen der Religion, sondern von den Symbolen der Kunst befriedigt. Erst hier wird das Bild zum reinen Symbol der Idee, ohne durch die Frage der Existenz, des Sinnes, Gottes bedrängt zu werden. Unsere Stellungnahme zu dieser Analyse des mythischen Denkens wird davon ausgehen müssen, daß wenn der Neukantianismus die endgültige Lösung des erkenntnistheoretischen Problems wissenschaftlicher Wirklichkeitserkenntnis bedeutete, d. h. wenn Wirklichkeit in der Tat nichts anderes als der Begriffszusammenhang mathematisch-physikalischer Theorieen wäre, das mythische Denken nicht besser als anthropologisch-subjektive Wirklichkeitsanschauung in ihren affektiv magischen Begriffen charakterisiert werden könnte, als dies in dem Werke Cassirers geschieht. Wenn man aber diese Voraussetzung nicht teilen kann, wenn uns Physik nicht mit der Wirklichkeit identisch ist, ja wenn selbst die Wirklichkeitserkenntnis, insoweit sie die organische Natur und das mensclilich-geschichtliehe Leben betrifft, nicht in der mathematisch-mechanischen Methode der Physik zu begründen ist, dann entfällt die grundlegende Voraussetzung Cassirers, daß Sein und Sinn, Wirklichkeit und Bedeutung völlig geschiedenen Sphären der Erkenntnis angehören und ihre Vereinigung höchstens im Symbol des künstlerischen Phänomens, im wahren Schein der Schönheit erfolgen dürfte. Die Grundlage alles mythischen und religiösen Bewußtseins ist gerade die Gewißheit, die Cassirer treffend hervorhebt, daß Sein und Sinn, Wirklichkeit und Bedeutung eine qualitative Einheit bilden, die sich uns im Sinnerlebnis der Wirklichkeit erschließt. Darum ist die Welt des Mythos wie das religiöse Bewußtsein nicht phänomenologisch erfaßt, wenn diese Wirklichkeitsbeziehung nür als subjektiv-affektive Wirklichkeitsanschauung charakterisiert und als die seelische Wurzel des qualitativen Weltbildes des Mythos der Wille magischer Wirklichkeitsbeherrschung bestimmt wird. Man wird zugeben müssen, daß Mythos und Religion verwandt sind, daß auf weiten Strecken der Mythenbildung diese religiösen Motiven entspringt und die religiösen Motive nach ihrer phantasiemäßigen Objektivierung in den Gebilden des Mythos verlangen. Das qualitativ Entscheidende aber des religiösen Motivs und des Mythos, insoweit er solchen Motiven entspringt, ist nicht die denkende oder phantastische Objektivierung des religiösen Bewußtseins, sondern die Gefühlsbestimmtheit des religiösen Bewußtseins durch die erlebte Wirklichkeit des Heiligen. . Das Heilige im Vollsinn des Numinosen verstanden. In der Kraft und Tiefe, mit welcher mitten in der profanen Wirklichkeit das Ueberirdische, das Numinose in der Er-

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