Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Systematische Philosophie
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 Regungen deutlich macht und zugleich eine fast unhörbare intime Aussprache ist über die Notwendigkeit anderer Wege zum Jadentum. Bruno Strauß und der Akademie gebührt für die Herausgabe dieser Schriften aufrichtiger Dank. Ernst *Jassiren Philosophie der symbolischen Formen, 2. Teil: Das mythische Denken. Verlag Bruno Cassirer. Berlin 1925. In dem groß angelegten Werk der Philosophie der symbolischen Formen unternimmt Cassirer den Versuch, das System des Neukantianismus, wie es insbesondere von Cohen und Natorp ausgeprägt worden ist, durch eine Analyse des Wesens der Sprache und des Mythos zu ergänzen, an welche sich eine Analyse der künstlerischen Symbolwelt anschließen dürfte. Das vorliegende Werk, Das mythische Denken, ist für die Religionsphilosophie von besonderer Bedeutung, indem es die am tiefsten dringende Abgrenzung des mythischen Denkens gegen das religiöse Denken vollzieht, die vom Standpunkt des Neukantianismus bisher gewonnen worden ist. Cassirer lehnt es ab, die Einheit des Mythos auf eine stoffliche Einheit des Objekts zu gründen, als läge ein Objekt aller Mythenbildung zu Grunde, möge dieses in der Seele oder den Geistern oder in der Einheit eines Kulturkreises gesehen werden. Ebensowenig kommt man dem Mythos nahe, wenn man ihn aus einer seelischen Kraft, sei es Intellekt, Phantasie oder Wille ableitet. In allen diesen Versuchen wird die Einheit des Mythos fälschlich in die Elemente verlegt, statt in der charakteristischen Form gesucht zu werden, die aus den Elementen ein neues geistiges Ganze, eine Welt der symbolischen Bedeutung hervorgehen läßt. Die Einheit des Sinnes des Mythos muß statt in kausalgenetischer, in teleologischer Hinsicht festgestellt werden. Auch hier gilt es, wie in der Begründung des Erkenntnisbegriffs unter der empirischen Mannigfaltigkeit der mythischen Stoffe und ihrer Verbindungen, erst die ursprüngliche Gesetzmäßigkeit des Geistes zu suchen, auf die sie zurückgeht. So handelt es sich um eine phänomenologische Bestimmung des Wesens des Mythos. Die Welt des Mythos ist dadurch charakterisiert, daß sie keine Scheidung von Traum und Wirklichkeit, Leben und Tod, Bild und Sache, Wort und Wesen, Idee und Wirklichkeit kennt. Das Zentrum des Mythos ist überhaupt nicht das Vorstellen,sondern dasTun. In allem mythischen Tun gibt es ein Moment der Verwandlung des Subjekts in Götter oder Dämonen. Diese Magie der Verwandlungen, der Metamorphosen ist der Sinn des Ritus. Der Ritus, der Kultus ist das Instrument solcher magischer Verwandlungen zum Zwecke der Weltbeherrschung. Der Mythos erzählt die magischen Ver- Wandlungen, in denen die lebendige Einheit der Wirklichkeit besteht. Hier liegt das Zentrum der magischen Weltansicht, die mit der Atmosphäre des Wirkens ganz gesättigt ist, ja selbst nichts anderes ist als eine Umsetzung der Welt der subjektiven Affekte und Triebe, in eine Welt sinnlich-objektiven Daseins. Das gesteigerte Selbstgefühl, das sich in der magischen Weltansicht auszudrücken scheint, weist auf der anderen Seite aber darauf hin, daß es zu einem eigentlichen Selbst hier noch nicht gekommen ist. Das Ich sucht kraft der magischen Allgewalt des Willens