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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 4

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 1
Article
Systematische Philosophie
Date
1926-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 bewußtseins, wenn er Gott Leben und Persönlichkeit abspricht und ihn mit der Idee der menschheitlichen Sittlichkeit identifiziert und dementsprechend Schöpfung, Versöhnung, Messianismus humanisiert. Und dennoch glüht in ihm ein jüdisch-religiöses Bewußtsein, das sich unmittelbar dem Prophetengeist verwandt fühlt, in den Psalmen lebt, die mittelalterlichen Religionsphilosophen ,,unsere legitimen Dogmatiker“ nennt und sich nicht genug tun kann in der philosophischen Interpretation» unserer religiösen Urkunden und der~'mittelalterlichen Religionsphilosophen, um seiner. Uebereinstimmung mit unserer Religion immer erneut bewußt zu werden. Und man wird anerkennen müssen, daß, wie häufig seine Interpretation eben dieselbe Gewaltsamkeit seines philosophischen Temperaments spüren läßt, die ihn zur kühnen Neuauffassung von Platon, Leibniz und Kant geführt hat, seine Interpretation der Bibel wirklich den Universalismus des Judentums sieghaft hervorhebt. Nur daß Religion eben noch mehr ist, als die Relation zwischen Logik und Ethik und selbst von Idee und Individuum, daß sie in den Spannungen und Erschütterungen des über alle Grenzen des Menschlichen und selbst des Kulturellen hinausgreifenden Gottesbewußtseins lebt. Die Sprache der Mystik aber war Cohen eine unverständliche Sprache, wo sie doch nur dem Rationalismus unverständlich ist. Und auch das Schicksal der Zerstreuung hat dieser ,,Fürst des Exils“ trotz der Stärke des Solidaritätsgefühls zu sehr als Staatsphilosoph gesehen. Der tausendjährige jüdische Stamm war ihm nur das Fundament der jüdischen Glaubensgemeinschaft, das anthropologische Mittel für die Fortpflanzung der Religion und verdiente keine weitere romantische Verehrung. Geschweige, daß die Versuche seinen Beifall finden konnten, den Stamm zu verjüngen und zur neuen Blüte zu bringen. Der jüdische Stamm hat allein die Blüte der Religion zu tragen und diese gerade im Exil entsprechend seiner messianischen Bestimmung. Auch hier ist der Rationalismus die Grenze seines geschiehtliehen Verstehens, verlangen und gestatten Deutschtum und Judentum eine tiefere Verbindung, als sie Cohen zu erreichen möglich war. Das jüdische Stammesbewußtsein und die geschichtlich-konkrete jüdische Religiönsform enthalten in sich Spannungen und seelische Gehalte, die sich ebensowenig in den Rationalismus einer Religion innerhalb der Grenzen der Humanität wie in die absolute Einheit des deutschen Nationalismus auf lösen lassen. Die Welt der Seele und der Geschichte ist spannungsreicher, als es der Rationalismus wahr haben will. Wir sind nicht schlechtere Deutsche, weil wir unser jüdisches Empfinden nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Zukunft der jüdischen Geschichte bewahren und die Erhellung ihres schweren Schicksals erstreben. Die Einleitung zu Cohens Jüdischen Schriften von seinem Schüler und Freund Franz Rosenzweig ist ein aus innigster Treue stammendes Bekenntnis zu dem verehrten Meister, das feinfühlig die innersten Motive des Cohenschen Schaffens und seiner seelischen Entwicklung über den logischen Ausdruck hinaus in den zartesten

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