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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 3

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 1
Article
Systematische Philosophie
Date
1926-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Begründung des Neukantianismus. Mit Löwengriff wird das er- 'kenntnistheoretische Zentrum der kantischen Philosophie erfaßt, in seiner wissenschaftlichen Bedeutung durch die Beziehung auf die Newtonsche Physik geklärt und gefestigt und zugleich mit aller Reizbarkeit und Kraft der Cohenschen Dialektik gegen Wissenschaftliehe Gegner geschützt. Hier ist Treue gegen Kant und Erneuerung der systematischen ־ Philosophie eine einheitliche Lebensaufgabe geworden. Und doch zugleich ein entscheidendes Dokument für die über Kant hinausgehende, dem absoluten Rationalismus sich zuwendende Richtung des Neukantianismus. Möge dieses Werk fortfahren, eine Schule echten wissenschaftlichen Philosophierens bilden und sollte der Fortgang der wissenschaftlichen Arbeit auch ein Hinausgehen über die Cohensche Philosophie bedeuten! Hermann Cohens Jüdische Schriften. Veröffentlichung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Mit einer Einleitung von Franz Rosenzweig, herausgegeben von Bruno Strauß. 3 Bde. Verlag C. A. Scliwetschke u. Sohn, Berlin" 1924. Dem Kenner der Cohenschen Philosophie vermögen Cohens Jüdische Schriften keine wesentlichen neuen Einsichten in Cohens philosophische Ueberzeugungen zu bieten. Denn das ist das überaus Seltene an diesem Manne, daß sein wissenschaftliches Lebenswerk die innerste und tiefste Kraft der Persönlichkeit, seine innerlichsten Ueberzeugungen zu organischer Einheit ausprägt. So ist sein Judesein und sein Judentum in seinem System nicht apokryph geblieben. Persönliches Leben und wissenschaftliche Ueberzeugung bilden in ihm eine antik anmutende Einheit, eine Geschlossenheit, die von den Kämpfen und Unsicherheiten des Diasporajudentums fast nichts enthält. Gerade darum aber sind ׳ Cohens Jüdische Schriften so überaus wertvoll, weil sie gleichsam von anderer Seite her diese Einheit der Cohenschen Philosophie beleuchten. Denn wie der rationale Bau seines 538בת^3ז keine bloße Gegebenheit duldet, sondern auch alle Inhalte der Erkenntnis in methodischer Selbständigkeit gewinnen will, bleibt Cohen nicht bei der Tatsache des jüdischen Ursprungs und des jüdischen Bekenntnisses stehen. Das jüdische Bekenntnis ganz in seinen rationalen und allgemein gültigen Grundlagen zu erfassen und aus diesen hervorgehen zu lassen, ist das nie endende Ringen seiner dem Judentum zugewandten philosophischen Arbeit. Der Tod nimmt ihm. das letzte Werk aus der Hand, das der Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums gewidmet ist. Das jüdische Stammesgefühl wird frei anerkannt, darf aber auch nicht um Haaresbreite die Staatsethik beeinträchtigen, die Eingliederung der Persönlichkeit in die objektive Gemeinschaft der Staatsnation fordert. Wohl weiß Cohen, daß er kein Historiker ist, der an den Quellen stehen bleibt und die einzelnen Phasen der Geschichte des Judentu ms treu bewahrt, sondern bekennt er sich zur Freiheit der Idealisierung der eigenen Religion aus dem Enthusiasmus der persönliehen Religiosität (I S. 42). Er erfaßt das Judentum in der ,,idealen geschichtlich-dogmatischen Ansicht“, für welche der lebendige Gott in sozialer Sittlichkeit und weltbürgerlicher Humanität atmet; er 1sieht selbst darin die innerste Bestätigung des jüdischen Gottes- 1*

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