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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Zur Geschichte der Juden im christlichen Spanien [Rezension]
Date
1925-01-01
Page
Seite 59 (sequence 6)
Language
German
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59 in Berührung1. Dagegen wird ,,Rabi Mosse Abenabez“, der verehrte Freund des Dichters Salomo de Piera, einer der Sprecher der Juden bei der Disputation von Tortosa, 1397 einstimmig zum ersten Vorsteher erwählt (Ap. IV), und findet sich in den nächsten Jahren öfter im Vorstand und Rat der Gemeinde; im J. 1420 wird er zum letzten Mal erwähnt (Ap. 22). Aufs engste mit der Geschichte und Literatur der aragonischen Juden verknüpft ist ferner die Familie G ab alle ri a, der S. einen besonderen Abschnitt widmet (S. 180 f.). Nach dem älteren Vidal kommt vor allem Benveniste de la Caballeria in Betracht. Was S. an Notizen über seine Geschäfte bringt, läßt sich aus dem Archiv in Barcelona noch bedeutend vermehren. Er war nicht nur einer der reichsten Steuerpächter, sondern gehörte auch zu den geistigen Führern seiner Zeit. Durch seinen Tod (1411) wurde er davor bewahrt, den Abfall eines großen Teils seiner Familie und seiner Gemeinde zu erleben. Wir werden über diese Wirkungen der Disputation von Tortosa (1413—14) noch zu sprechen haben. Die bekannte Bulle Benedikts (XIII.) von 1415 wurde bald widerrufen (vgl. die wichtigen Anhänge XIX und XX), die Könige suchten durch Vergünstigungen der Gemeinde über ihre prekäre Lage hinwegzuhelfen (wichtige Privilegien findet man im Anhang). Der Uebertritt zum Christentum ist etwas so Alltägliches, daß er bei dem Steuer an schlag mit in Rechnung gezogen wird (S. 466). Von den unerfreulichen Zuständen in der Gemeinde während dieser Zeit zeugen die Satiren aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, die sich unter den Gedichten des Salomo Bonfed finden. Wir kennen jetzt die meisten der von ihm mit Namen genannten Vorsteher, die dort in einer unglaublichen Weise angegriffen werden, aus den Urkunden2. Nach einem kurzen Blick auf die Verhältnisse der Nachbargemeinde Calatayud spricht S. über die Ausführung des Vertrei bungsedikts im J. 1492. Der Anschein eines geordneten Verfahrens, den dieses sich gab (und dem man wohl auch im allgemeinen im Sinne der Zeit gerecht zu werden glaubte), wird etwas zerstört durch das, was S. von der Abwicklung der Geschäfte in Saragossa und Umgegend erzählt. Das Edikt wurde hier einen Monat zu spät publiziert. Man überfiel die Juden und beschlagnahmte ihr Vermögen, um den Staat für den Ausfall der Steuern zu entschädigen. Erst danach konnten die Juden beginnen, ihren Besitz zu verkaufen. Bei allem hatte die Inquisition ihre Hand im Spiel. Trotzdem wurde sie selbst von Juden noch in den letzten Tagen vor der Abreise um Schiedssprüche angegangen. Daß die Beamten die Gelegenheit wahrnahmen, auch ihre eigenen Taschen zu füllen, zeigt S. an ziemlich unzweideutigen Beispielen. Interessant sind die Aufnahmen über die Außenstände des Juce Ghamorro und Ezmel Abnarrabi aus Saragossa; es handelt sich meist um geringfügige Getreidedariehen an sarrazenische Bauern3. Erst nach dieser inhaltreichen Einleitung kommt S. auf die ,,aragonischen Freunde und Gönner des Columbus“ und ihren Stammbaum zu sprechen. Uns gehen die Kapitel über die Santangel, Sanchez und Caballeria an, obwohl der ganze Abschnitt mit Notizen über jüdische Persönlichkeiten durchsetzt 1 Ein für diese Fragen geschärftes Auge würde seinen Namen wohl auch entdeckt haben. 2 Vgl. Steinschneider, Hebr. Bibi. 14, 96. Danon, R. E. J. 41, 109. Von den dort Angegriffenen ist Mosse Affia im J. 1434 u. 1447 Vorsteher (Serrano, Ap. 26 u. 32), Mosse Abenjamin 1447 Vorsteher (Ap. 32), Vidal Abulfadal wird 1435 u. 1447 genannt (Ap. 28 Ende u. 32); Bonastruch de Salinas, von Beruf Maler, sitzt 1432 im Gemeinderat, ist 1434 Vorsteher und wird noch 1447 genannt (Ap. 25—27 u. 32); R. Abram Moriel wird 1420, 1434 u. 1447 genannt (Ap. 22, 26 u. 32). Von den Mitgliedern der חברת ביקור חולים, die dort eine Rolle spielen, erscheinen in den Urkunden ein A$ach Avenbitas im J. 1403 (Ap. 14), Salamon Affia 1434 (Ap. 26) und der Schuster Juce Moreno 1447 (Ap. 32). Die Tatsache, daß diese Männer fast alle in der Mitte des 15. Jahrhunderts gewirkt haben, läßt zusammen mit den in der Handschrift befindlichen Daten 1443 u. 1445 die Frage entstehen, ob der Verfasser dieser Satiren identisch ist mit dem Zeitgenossen der Disputation von Tortosa. 3 Einige lnventare von Synagogen und Privatleuten hat S. im Boletin de la r. Academia espanola veröffentlicht.

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