Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Zur Geschichte der Juden im christlichen Spanien [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 5)
- Language
- German
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die Juden auch in anderen Gegenden der Stadt Häuser. Im 15. Jahrhundert •begann infolge zahlreicher Taufen die juderia entvölkert zu werden. Mehr .als 200 Familien kann die Gemeinde in ihren letzten Jahrzehnten nicht gezählt haben, wie sich an Hand der erhaltenen Notizen nachrechnen läßt, — wieder ein Beitrag zur Kritik allzu phantastischer Vorstellungen von der Bevölkerungsziffer der spanischen Juden; immerhin ist die Gemeinde im 14. Jahrhundert zweifellos größer gewesen. Eine Anzahl Synagogen werden .genannt: Die ,,große Synagoge“ oder sinoga (oder midras) de Bicorholim (הקור חולים), die sinoga de Talmud tora, de los torneros (der Drechsler) u. a. Ihnen entsprechen Chewroth und Zünfte: Die confraria de Cabarim (רןברים), de Gefarim alias atoras, de Talmud tora, de Malvise arhumin (,(מלבישי ערומים ׳de hasguafim alias gapateros (der Schuhmacher)1. Drei Vorsteher (adelantados), 12 Räte und ein Kassierer (clavario) verwalten die Gemeinde. Drei bis fünf gewählte Richter2 und ein Appellationsrichter sprechen Recht. Eifersüchtig wehrt sich die Gemeinde gegen Eingriffe Fremder in die Wahlen. Aus den Verwaltungsakten der Gemeinde sind besonders interessant die Protokolle über die Verpachtung der Fleisch- und Weinsteuer, die S. in den Anhängen *abdruckt. Leider veröffentlicht er nichts von den hebräischen Gemeindeakten, die nach seinen Zitaten noch in größerer Anzahl vorhanden sind. Erst auf dieser Basis würde man eine wirkliche Geschichte der Gemeinde schreiben *können. Dazu würde auch eine genaue Analyse des wirtschaftlichen und sozialen Aufbaus der Gemeinde gehören, wozu das archivalische Material .offenbar ausreicht. Immerhin bieten auch dafür die gedrängten Notizen von S. außerordentlich viel. In allen Zweigen des Handwerks sind die Juden vertreten. In der Tuchindustrie und im Tuchhandel sind sie, wie man aus einem städtischen Ratsbeschluß von 1390 (S. 39) sieht, den christlichen Bürgern entschieden überlegen. TJm so mehr ist es verwunderlich, daß sich S. die .zeitgenössischen Klagen über den ,,Wucher“ der Juden zu eigen macht, ,,obwohl er sich nicht urkundlich nachweisen läßt, weil gemäß der allgemeinen Heuchelei jener Zeit die Juden ebenso wie die Christen niemals Kontrakte über Darlehen, sondern nur über Kommenden oder Depositen machten“ (S. 44). In S. Notizen erscheinen die Juden mindestens ebenso oft als Schuldner der Christen wie umgekehrt3, und namentlich die jüdischen Gemeinden dieser;Zeit waren sehr verarmt. Von besonderem Interesse dürfte die Bereicherung sein, die unsere Kenntnis der Biographie einzelner aus der Literatur bekannter Per- .sönlichkeiten aus S. Buch erfährt. Das kann hier nur an wenigen Beispielen gezeigt werden. Sogleich die erste der im Anhang abgedruckten Urkunden behandelt eine Episode aus dem Leben des Isaak ben Schescheth und dient dazu, eines seiner Responsen chronologisch festzulegen4, was bei dem stark literarischen Charakter dieser nicht nur halachisch, .sondern auch biographisch und kulturgeschichtlich wichtigen Briefsammlung nicht von zufälliger Bedeutung ist. Chasdai Crescas5 Namen, dessen Zeit- .alter doch ein großer Teil der Urkunden von S. angehören, sucht man freilich vergebens. Er hat offenbar weder dem Vorstand der Gemeinde angehört, noch kam er in privaten Angelegenheiten viel mit dem städtischen Notariat 1 Korrumpiert sind offenbar die Namen der confraria de Oce Ocet (? . . . עושי) und Rotfecede (? . . . רופאי) s. 25, 43 n. 2 und 489. 2 Berurim, sing, barur, bei S. öfter verdruckt. 3 S. 252 f. druckt der Autor sieben Quittungen des Abraham Colom .aus Borja ab, ,,der gleich andern seiner Rasse sich bemühte, aus seinem Kapital möglichst großen Gewinn zu ziehen, indem er es an Juden und Christen in verschleierten Darlehen ausgab“ usw. Dabei ist in allen Fällen Abr. Colom der Schuldner und nur in einem von diesen Fällen ein Jude der Gläubiger, und dazu macht Serrano S. 253 n. 3 noch Mitteilungen über eine Anzahl Dariehen, die ein christlicher Kaufmann aus Saragossa an Juden ausgab. So blind macht das Vorurteil 1 4 Resp. Isaak b. Schescheth No. 395 Serrano Ap. No. I (Urkunde vom 30. X. 1375). Agach Avenazura (יצחק בן עצפורה) hat geschworen,;nicht mehr mit seiner Mätresse zu verkehren, bricht aber seinen Eid und besticht den königlichen Beamten, so daß es nicht möglich ist, gegen ihn einzuschreiten.