Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Zur Geschichte der Juden im christlichen Spanien [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829929-2848706--46066-2848777- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
57 sein Amt nach des Vaters Tode 13531. Na$an del Barri (II, No. 143 n. IST) und der ältere Davi Bonjorn aus Perpignan, beide offenbar Verwandte, verfertigen für den König astronomische Apparate und Uhren2. So werden noch verschiedene jüdische Silberschmiede, Uhrmacher, Buchbinder und ein Alchimist Garacosa Samuel aus Perpignan (a. 1396, II, No. 357) genannt. Merkwürdig, aber nicht ganz vereinzelt, ist die Klage, daß Juden Zauberei und Dämonenbeschwörung treiben. Derartiger Verbrechen und der Giftmischerei wird 1380 Salamies Nasci aus Valencia beschuldigt, der sonst ein in der jüdischen Gemeinde geachteter Mann gewesen zu sein scheint (II, No. 247)3. Mehrere Urkunden handeln von bekehrten Juden, die eifrig bemüht sind, ihren früheren Glaubensgenossen das Christentum zu predigen. Einleitungen und Indices beider Bände erleichtern dem für diese Dinge Interessierten die Benutzung. Neben seinen positiven Ergebnissen veranlaßt das Werk auch zu einigen indirekten Schlüssen. Man sieht sehr deutlich, an welchen Zweigen der Kultur die Juden wenig oder gar keinen Anteil haben. Sie haben relativ wenig mit den Fragen der modernen Literatur, nichts mit humanistischen und historischen Interessen zu tun, die einen sehr großen Teil der Urkunden ber schäftigen. Während der Disputation von Tortosa konnte ihnen die mangelnde Kenntnis des Josephus zum Vorwurf gemacht werden. Die so gekennzeichnete Geistesrichtung der Juden steht mit ihren sozialen Verhältnissen in Wechselbeziehung. Der Inhalt der jüdisch-spanischen Kultur kann freilich aus den Urkunden allein nicht erkannt werden. Das Werk von Rubio mahnt dringend, die Literatur der spanischen Juden des christlichen Kulturbereichs im Lichte ihrer Zeit zu betrachten. 2. Manuel Serrano y Sanz: Origenes de la dominacion espanola en America I. Madrid 1918. (Nueva biblioteca de autores espaholes.) Der Titel dieses 600 Seiten starken Buches läßt es nicht vermuten, daß es• mit dem ersten, die Hälfte des Werkes ausmachenden Teil einen außerordentlieh wichtigen Beitrag zur Geschichte der Juden in Spanien liefert. Wie die Ueberschrift ,,Los fautores y protectores aragoneses de Cristöbal Colon46 andeutet, sind Columbus’ Beziehungen zu mehreren aragonischen Finanzmännern, darunter einigen Marranen von bekannten Namen, der eigentliche Gegenstand dieser Untersuchungen. Aber S. holt weit aus, um die Umgebung zu schildern, aus der diese Männer hervorgegangen sind, und gibt im Text und im Anhang ein gewaltiges Material zur Geschichte der Juden in Sarag 0 s s a seit dem Ende des 14. Jahrhunderts, das er aus den Notariats- Protokollen in S. geschöpft hat4. Diese Quelle wird damit zum ersten Male für die Geschichte einer spanischen Gemeinde nutzbar gemacht, eine willkommene Ergänzung zu dem Stoff, den Regnö und andere aus dem Krönarchiv zu Barcelona herbeigeschafft haben. Saragossa ist eine der stolzesten Erinnerungen aus der jüdisch-spanischen Geschichte. Seit der Wiedereroberung der Stadt durch die Christen (1118) lassen sich dort eine große Anzahl jüdischer Familien, Kaufleute, Steuerpächter, Dolmetscher, Aerzte und Gelehrte in genealogischem Zusammenhang über Jahrhunderte verfolgen. Serranos Darstellung nimmt die Geschichte der Gemeinde auf ihrem- Höhepunkt auf und begleitet sie auf dem Wege ihres allmählichen Verfalls. Das Judenquartier umfaßte ein Viertel der alten Römerstadt, doch besaßen 1 Est. III, 497. 2 Ueber Davi Bonjorn vgl. Memorias de la r. Academia de b. letras de Barcelona VII (1901). S. 115. Er ist gewiß identisch mit [L. זאנדוי בננדין [בננורן דוד ב״ר יום טוב) דלבראי (מבראי)) in Perpignan, der 1337 einen Scheidungsprozeß mit seiner Frau führt und diese anklagt, seine wissenschaftlichen Instrumente und Bücher (כלי חכמה וספרים), dieihrn unentbehrlich sind, an sich genommen zu haben, um von ihm einen Scheidebrief zu erzwingen (Sichron Jehuda ed. Rosenberg, Berlin 1846, No. 73). (׳כי ידעו שיש שם ספרים זכלים ומטלטלין יקרים בעיני מאד וכמעט שלא יוכלו לאנוס ולכוף אותי במין ממיני הכפייה גדול מוה להיותי חסר מהם מאד לפי עניני ורצוני וכוספי אליהם מאד כי הם מחמדי הטובים.> 3 Vgl. R. J. b. Sch. 266. 4 Aus derselben Quelle stammen seine Notas acerca de los judios aragoneses en los siglos XIV v XV in Revista de archivos, bibliotecas y museos,, Madrid 1917, Bd. 37, S. 324 f.