Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Zur Geschichte der Juden im christlichen Spanien [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 3)
- Language
- German
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56 (II, No. 252) eine kleine Liste von Büchern, die Jücef Aventida aus Monzon dem bekannten Arzt Astruch Rimoch aus Fraga gegen das Versprechen, ihn in Medizin zu unterrichten, geliehen hat, die dieser aber im J. 1381 widerrechtlich zurückbehalten hat. Es handelt sich um die 14 libri magistri Mosse de Gipte juris ebrayci, verschiedene arabische Schriften, teilweise in lateinischer Uebersetzung, und quidam über retorice vocatus in ebrayco Bahall Tanafahim (? בעל ככפים). Bei den Christen herrscht einiges Interesse für jüdische• Literatur. Ein Minorit läßt sich 1326 konfiszierte Bücher der Juden in Calatayud schenken, ein paar Bände Talmud und ein Buch Sarasin (שרשים) (II, No. 52). Pedro IV. erteilt 1383 den jüdischen Gemeinden von Barcelona, Gerona und Perpignan den gemessenen Befehl, ihm das Werk des Maestre Mosse de Egipte über jüdisches Recht schleunigst ins Katalanische zu übersetzen (I, No. 338). Juan I. läßt sich ein Buch desselben R. Moyses schenken (I, No. 454). König• Martin finden wir sehr interessiert für ein Talmudexemplar (I, No. 483). Als Aerzte, Uebersetzer und Astronomen erwarben sich die Juden Öffentliches Ansehen. Häufig vereinigten sie diese Qualitäten oder doch eine davon mit denen eines Talmudgelehrten. Hier nur einige Beispiele aus der Zeit Pedros IV. (1336—1387), dessen Zeit ja vor allem unsere Urkundensammlung umfaßt! Maestre Salomo aus Mallorca übersetzt 1349 für den König ein Buch aus dem Arabischen (I, No. 137 f.). Der königliche Arzt Maestre Cresques (II, No. 85 u. 117) scheint in den Jahren 1344—1347 außerordentliche jurisdiktioneile Befugnisse gegenüber den Juden ausgeübt zu haben1. Vielleicht ist er identisch mit dem Hofastrologen desselben Namens, dessen Prophezeiung über kommende politische Umwälzungen noch 1391 besprochen wurde (I, No. 418)2. Denn der schon früher aus der Literatur bekannte Cresques Abraham aus Mallorca (gest. 1387) und sein Sohn Jahuda Cresques, der sich 1391 taufen ließ, haben ihren großen Ruhm nur als Verfertiger von Landkarten und Bussolen erworben (I, No. 322 u. 386;: II, No. 259 u. 262 )3. Ein anderer Jude aus Mallorca, I$ach Nafuci, gehört an erster Stelle zu den Juden, die im Auftrag König Pedros IV. und Juans I. astronomische Arbeiten verfertigen. Seit 1359 arbeitet er an seinen Astrolabs (II, No. 129). Im J. 1362 ernennt ihn der König zum rabinus id est sohafet et vodech (also שוחם ובודק) der jüdischen Gemeinde zu Mallorca, mit der ausschließlichen Berechtigung für ihn und seine Stellvertreter, Vieh für die Gemeinde zu schlachten und das übliche Gehalt dafür einzuziehen. Die Taxe für die Konzession wird ihm auf Verfertigung eines silbernen Quadranten angerechnet. Aber er kam aus erratbaren Gründen nicht dazu, sein Amt anzutreten (II. S. 144 f. u. 149. Vgl. auch S. 167 u. No. 258; I, No. 312 u. 319). Auch er gehörte zu den vielen Gebildeten, die im J. 1391 vom angestammten Glauben abfielen4. Neben ihm arbeiten im königlichen Auftrag Belishoms und Vidal Afrahm aus Mallorca an astronomischen Werken (I, No. 312 u. 319, im J. 4380 und 1381). Vidal Ephraim war übrigens auch Rabbiner in seiner Heimatgemeinde; er korrespondierte viele Jahre mit Isaak b. Schescheth und wurde von ihm als Talmudgelehrter geschätzt5 6. Ein anderer Astronom und Arzt,'der dem König und dem Infanten Juan diente, Jucef Avenardut (I, No. 295), fungierte zugleich als Appellationsrichter in der jüdischen Ge״ meinde zu Huesca*. Dieselbe Funktion übte ein Mitglied der Familie, Vidal Avenardut, in Calatayud aus; sein Sohn Mosse erbte auf Befehl des Königs■ 1 Einige nicht ganz klare Notizen darüber in Est. III, 493. 2 Ich hoffe, auf diese Prophezeiung anderwärts zurückzukommen. 3 Vgl. G. Llabres, Boletin de la sociedad arqueologica luliana, Palma, Oct. 1890 (abgedruckt bei Bensaude, L’astronomie nautique au Portugal a Tepoque des grandes decouvertes, Berlin 1912, S. 264 f.). Llabres hat vermutet, daß Jahuda Cresques identisch sei mit dem später im Dienste Heinrichs des Seefahrers in Portugal arbeitenden Astronomen .Mestre Jacome de Majorica. Kayserling, Christoph Columbus und der Anteil der Juden an den spanischen und portugiesischen Entdeckungen, Berlin 1894, S. 7 hat diese Vermutung־ als sicher weitergegeben. Doch fehlt es dafür an Beweisen. 4 Boletin de la r. Academia de la historia IX, 296. 5 Resp. R. J. b. Sch. No. 375, 377, 295, 309. In No. 375 heißt es von ihm: ״.ואס אחשוב אינו מחודד בהלכה ולא עוקר הרים הנד, הוא בקי בדינים ובספרי הפסק 6 R. J. b. Sch. No. 392, 494.