Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Zur Geschichte der Juden im christlichen Spanien [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 2)
- Language
- German
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55 lanisclien Literatur1 vorgelegt, der nicht nur wegen des darin bekundeten Interesses an sich bemerkenswert ist. Die Behandlung eines Ausschnittes der jüdischen (und dabei auch der talmudischen) Literaturgeschichte im Zusammenhang mit den geistigen Tendenzen der Umgebung wird gerade für das katalanische Gebiet besonders fruchtbar sein. Das hier zu besprechende Werk enthält nun eine Anzahl (aus dem Kronarchiv zu Barcelona stammender) Urkunden, die gewisse Zusammenhänge der jüdischen mit der katalanischen Kultur, wenn auch nur auf der Oberfläche, sehr interessant beleuchten. Dazu dienen als Ergänzung die an anderer Stelle von R. veröffentlichten ,,Bemerkungen über die orientalische Wissenschaft in Katalonien während des 14. Jahrhunderts“2, denen sich eine sehr stattliche Liste von jüdischen Aerzten anschließt, die während dieser Zeit im Dienst des aragonischen Hofes tätig gewesen sind. Nur einige besonders charakteristische Züge sollen aus diesem von R. gesammelten Urkundenmaterial hervorgehoben werden. Da ist zunächst einiges Interessante aus dem Gemeindeleben. Juceffus Cohen hat im Judenquartier zu Tortosa für ein ,,Studium ad opus ■scolarium judeorum pauperum“ ein Haus gestiftet, dazu mehrere Bücher und 1000 sol. Gegen die Testamentsvollstrecker wird wegen schlechter Verwaltung des Legates Klage erhoben (Documents I, No. 71). Abrahim de Mayl aus Exea hat ,,aus Frömmigkeit und für sein und seiner Eltern Seelenheil“ ein Haus gestiftet zu dem Zweck, ,,daß ein Magister oder Rabi der Gemeinde •dort zu wohnen und die jüdischen Knaben der Gemeinde in ihrer Religion zu unterrichten habe“. Aber einige Juden verhindern aus Haß gegen Abrahim, •daß die Stiftung ihrem Zweck zugeführt wird (II, No. 123). Die jüdischen Vorsteher in Teruel haben im J. 1336 Samuel Abenposat aus Valencia als Rabbiner angestellt mit der eidlichen Zusicherung eines jährlichen Gehalts von 350 sol.; dafür ist er verpflichtet, in der Synagoge zu predigen und die Jungeil im Hebräischen zu unterrichten (litteras ebraycas edocere). So steht ■es in einer hebräischen Urkunde. Aber der Rabbiner beklagt sich beim König, daß er trotz mehr als einjähriger Tätigkeit kein Gehalt bekommen hat ׳{II, No. 62). Rabi Napan aus Toledo beansprucht 1338 als Rabbiner in Valencia Steuerfreiheit3. In Calatayud ist es alter Brauch, daß an den Festtagen bestimmte Juden aus ,,besonderen Familien“ (certi [so zu lesen für ceteri] judei *et de genere speciali) das Tribunal der Synagoge besteigen, um die Thora zu lesen (causa legendi et predicandi istoriam legis Moysi). Der König soll •den lokalen Beamten an weisen, für die Beobachtung des alten Brauches Sorge zu tragen (II, 303). Doch das Hauptthema dieser Urkunden ist die Stellung der Juden zur Wissenschaft ihrer Zeit. Das Material über den Lehrbetrieb an den Universitäten, das R. bietet, dürfte wohl jeden Forscher auf dem Gebiete der jüdisch-spanischen Literatur interessieren. Aber über das Verhältnis der Juden zu den Universitäten — etwa als Lehrer oder Schüler — findet sich nichts. Die jüdischen Aerzte konnten an jedem Ort mit königlicher Ge- •nehmigung von anderen Aerzten (auch jüdischen) approbiert werden. Den Bestimmungen über dreijähriges Studium an der Universität (I, S. 220) waren sie jedenfalls ebensogut wie die christlichen Aerzte unterworlen. Der jungen Universität in Lerida mußten die Juden ihre arabischen Bücher über Medizin zur Verfügung stellen, damit danach die Bücher der Universität korrigiert wurden (II, No. 16). In den jüdischen Bibliotheken finden sich vor allem die Schätze arabischer Wissenschaft. Das zeigte schon die vor 25 Jahren aufgefundene Bücherliste des Jehuda Mosconi (maestre Leo grech)4, dessen Bibliothek der König trotz der vorhergegangenen Versteigerung 1378 einziehen ließ (I, No. 294). Weitere solche Kataloge werden sich wohl noch finden lassen5. So bietet R. 1 Anuari del Institut d’Estudis Gatalans VI, S. XL, VIII i.\ 2 Estudis universitaris catalans III (1909). 3 Est. S. 390. 4 R. E. J. 39, 242 f. 40, 62 f. u. 168 f. 5 A. Duran i Sanpere, Est. un. cat. VIII (1914), 168 veröffentlichte das Inventar eines jüdischen Silberschmieds Menahem de Querci aus Cervera {1375). Sein Bibliothekskatalog sollte an anderer Stelle erscheinen, die ich bisher nicht feststellen konnte.