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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 53

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Muhammedanisches und Antimuhammedanisches in den Pirke Rabbi Eliezer
Date
1925-01-01
Page
Seite 53 (sequence 7)
Language
German
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53 Muhammed wurde der Sündenfall erst im ganzen und großen nach der Bibel (Ex 32) erzählt. Später erfuhr er von Juden1, daß die Schuld gar nicht Aron belastet.׳ Dieses Bestreben, Aron reinzuwaschen, hat Geiger bereits in der älteren Aggada nachgewiesen, wo der Götzendiener Micha der Verfertigung des Kalbes bezichtigt wird. Die Juden, von denen Muhammed hierüber belehrt wurde, schoben die Schuld dem Sämiri, dem Samaritaner, zu. Durch diese Schuld wurde gleichzeitig auch die strenge Absonderung der Sanaaritaner von den Nichtsamaritanern erklärt2: sie dürfen einen Nicht- Volksgenossen nicht anrühren, zur Strafe dafür, daß Sämiri das goldene Kalb verfertigte und anbeten ließ. Muhammed hatte ohnehin die Neigung, rituelle Erschwerungen als gottgewollte Strafe anzusehen, so heißt es im Qorän (IV, 158): wegen der Sünden der Juden, weil sie von Allahs Weg abgewichen sind, haben wir ihnen die Genüsse untersagt, welche ihnen früher gestattet waren. Dem Verfasser der Pirke R. E. gefiel der fabelhafte Zug im Qorän, daß das aus Erz gegossene Kalb zu brüllen anfängt. Er findet auch bald eine Erklärung dafür: das Kalb brüllt, weil sich Sammael in ihm verbirgt. Sammael soll auch als Verfertiger des Kalbes angesehen werden. Dadurch wird die An־Wendung des Jesajaverses verständlich: das Kalb brüllt, wie es heißt: der Ochs kennt seinen Herrn, — was soviel bedeuten dürfte: das goldene Kalb gehorcht seinem Verfertiger. Derart ist Sammael an Sämirls Stelle getreten. Der Verfasser der Pirke R. E. scheint Samaritaner nicht gekannt zu haben. Wohl läßt sich der 38. Abschnitt weitläufig über sie aus, doch er setzt sich aus Bestandteilen zusammen, die aus Bibel und Talmud bekannt waren. Nicht die Samaritaner sondern sich ab, sondern die Juden sprechen den Bann aus gegen den, der Brot oder Wein von Samaritanern genießt; die Samaritaner werden von dem Anteil am irdischen und am himmlischen Jerusalem ausgeschlossen, weil sie gegen Ezra, Zerubabel, Josua Ränke geschmiedet haben, weil sie Nehemia nach dem Leben trachteten. Sämiri im Sinne des Qoräns ist dem Verfasser der Pirke R. E. unbekannt. Hingegen'ist ihm Sammael überaus geläufig. Wo es sich um einen Feind der Menschheit, vollends Israels handelt, flugs ist Sammael zur Hand. Wie Adam erschaffen wird und durch die Namen, die er den Geschöpfen gibt, sich den Engeln überlegen erweist, sträubt sich eben Sammael dagegen: die Schlange tut und spricht, was ihr Sammael eingibt (Kap. 13). Sammael ist der Gegner Michaels; wie Sammael mit seinem aufrührerischen Anhang gestärkt Siegmund Fraenkel: Der Sämiri (ZDMG. 1902, LVI, S. 71—73) vermutet, Muhammed habe sich eines jüdischen Midrasch’s bedient, der wohl verloren gegangen, aber aus dem Qorän zu rekonstruieren sei. 2 Prof. Goldzihers erwähnte Arbeit stellt aus der jüdischen, christlichen und muhammedanischen Literatur Belege in Fülle dafür zusammen, daß den Samaritanern die Berührung des Nichtvolksgenossen als rituelle Verunreinigung galt. — Schon Geiger erwähnt diese Eigenart der Samaritaner und führt als Parallele den Ausspruch an, den er nicht nachweisen kann: *פרוש אל תמרשני. Vielleicht schwebten ihm Stellen vor wie etwa: וטמא טמא יקרא כדי שתהיי טומאה קוראה לו בפיה ואומדת לו פרוש (Jer. Sota 8, vorletzte Zeile).

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