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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 52

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Muhammedanisches und Antimuhammedanisches in den Pirke Rabbi Eliezer
Date
1925-01-01
Page
Seite 52 (sequence 6)
Language
German
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52 Polemik gegen die (mutmaßliche) muslimische Legende dürften wir in den Pirke Rabbi Eliezer besitzen: nicht Muhammeds Sarg schwebte in der Luft, sondern, durch göttliches Gnadenwunder, der Sarg Arons. III. Das goldene Kalb. Der Sündenfall mit dem goldenen Kalb nimmt •in den Pirke R. E. einen breiten Raum ein: ihm ist der 45. Abschnitt ganz, der 46. und 47. zum Teil gewidmet. Die Schilderung bewegt sich in sagenhaften Ausführungen, die auch sonst aggadisch bezeugt sind. Ein Zug ist neu: das aus Erz gegossene Kalb fängt zu brüllen, an. Rabbi Jehuda sagt: Sammael verbarg sich im Kalbe, er war es, der da brüllte, um Israel irrezuführen, wie es heißt: der Ochs kennt seinen Herrn (Jesaja 13); derart betört, betete Israel das Kalb an. Ganz ohne Parallele bleibt ja eigentlich das brüllende Kalb auch in der altern Aggada nicht. Gechazis Sünde bestand — nach der einen talmudischen Anschauung — darin, daß er dem von Jerobeam aufgestellten Kalbe den wunderwirkenden Namen Gottes in den Mund eingrub, worauf das Kalb die zwei ersten Gebote des Dekalogs verkündete (Sanhedrin 107b, Sota 47a). Doch auf das von Aron gegossene Kalb scheint dieser Zug nicht übertragen worden zu sein. Hingegen findet sich dem Entsprechendes im Qorän. Der Qorän behandelt das goldene Kalb zweimal ausführlich. Der erste Bericht (VII, 146—103) erzählt, Aron habe das brüllende Erzkalb gegossen, wofür ihn Moses hart zur Verantwortung zieht, — bald aber erwirkt er ihm Gottes Vergebung. Der zweite Bericht (XX, 87—97) bekundet sich, wie Prof. Goldziher nachweist, durch seine Zusätze als der jüngere. Da tritt eine neue Person auf: der Verflihrer Sämiri: Sämiri überredet das Volk, ihm den Schmuck zu übergeben, er bildet daraus das brüllende Kalb. Aron trachtet vergebens, das Volk von der Anbetung des Kalbes zurückzuhalten, er rechtfertigt sich vor dem zürnenden Moses. Sämiri wird bestraft: so lange er lebt, muß er vor sich ausrufen: löi misäsa, nicht anrühren! Geiger hat diese Erzählung des Qoräns aus der Pirke Rabbi Eliezer erklären wollen und auch hier aggadische Einwirkung auf Muhammed vermutet; Sämiri sei in Verwechslung mit Sammael von Muhammed gebildet1. Sämiris Gestalt ist durch Prof. Goldziher2 ins rechte Licht gerückt. Er hat nachgewiesen, daß die Schuld am goldenen Kalbe derart von Aron auf Sämiri, den Samaritaner, überwälzt werden sollte. Auf Grund seiner Ausführungen haben wir uns die Entwicklung dieses Legendenzuges folgender Art zu denken. 1 Geiger: Was hat Mohammed aus dem Judentume aufgenommen? Leipzig 19022, S. 162—165. 2 J. Goldziher, Lä misäsa, Revue Africaine, No. 268 (1er Trimestre 1908) Alger, S. 23—28. — Großenteils auf Prof. Goldzihers Ergebnisse gegründet, ist auch mein für die Enzyklopaedie des Islam verfaßter Artikel ,,Sämin“.

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