Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Muhammedanisches und Antimuhammedanisches in den Pirke Rabbi Eliezer
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 5)
- Language
- German
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51 den Kalb: als Gechazis Sünde gilt, er habe das goldene Kalb Jorobeams mittels Magnets (אבן שואבת) in den Lüften schweben lassen (B. Sanhedrin 107b, Sotä 47a). Steinschneider verweist ferner auf die Schilderung פרשת אלה מפעי von Moses Chadschiz, wo dieser berichtet, er habe von Muslimen vernommen, daß in der Medrese des Salomo, im Allerheiligsten der Omarmoschee in Jerusalem, ein Stein in der Luft hänge, welcher der Grundstein des alten Tempels, und der Welt (אבן שחיה) sei1. Von einem schwebenden Sarge scheinen Juden nur in mühammedanischer Umgebung zu wissen. Das berühmteste Beispiel findet sich in der Reisebeschreibung Benjamins aus Tudela2: Die Stadt Susa wird vom Chiddeqel (Tigris) durchquert. Das eine Ufer, wo ursprünglich der Sarg Daniels bewahrt wurde, bewohnen die reichen Juden, hier werden die Märkte abgehalten; am andern Ufer wohnt die arme Bevölkerung. Die ärmeren Bewohner schreiben den Wohlstand des andern Stadtteils dem segenspendenden Sarge Daniels zu. Sie wollen auch dieses Segens teilhaft werden. Der Streit wird, derart geschlichtet, daß der Sarg Daniels abwechselnd ein Jahr auf dem einen, ein Jahr auf dem andern Ufer bewahrt werde. Nun fügte es sich, daß einmal Schach Sandschar dort vorüberzog, eben als der Sarg von Ufer zu Ufer befördert wurde. Der Schach erblickte in dieser Ueberführung einen Verstoß gegen die Verehrung, die man Daniel schuldet. Auf sein Geheiß wird die Brücke abgemessen, genau in der Mitte wird der gläserne Sarg auf Ketten herabgehängt und darüber eine Andachtsstätte errichtet, in der Juden und Nichtjuden ihr Gebet verrichten. Ueber schwebende Särge in der Vorstellung des Altertums, der christlichen Legende, der mittelalterlichen Literatur besitzen wir eine überaus reiche Zusammenstellung von Wilhelm Hertz3. Im christlichen Abendland wurde allgemein geglaubt, Muhammeds Sarg schwebe in der Moschee von Mekka (bekanntlich ist Muhammed in Medina begraben), von Gaukelkünsten in der Luft gehalten. Die Hartnäckigkeit, mit der sich diese Vorstellung eben an Muhammeds Sarg knüpft, läßt vermuten, es sei hier eine muhammedanische Wundererzählung verhöhnt (ähnlich wie in den Toldöth Jeschü' die christliche Legende). Eine derartige jüdische 1 Steinschneider, Der hängende Sarg Muhammeds. ZDMG 1851 V, 378—380. Es fällt auf, daß Steinschneider nicht auch unsere Stelle aus den Pirke R. E. anführt. 2 ם' מסעות ר'בנימין מטודילו ed. Grünhut, Frankfurt a. M. 1904, S. 68—70. 8 Wilhelm Hertz: Gesammelte Abhandlungen. Herausgegeben von Friedrich von der Leyen. Stuttgart und Berlin 1905, S. 404—412. Dieser großartigen Stoffsammlung möchten wir noch ein Beispiel hinzufügen. Im altfranzösischen Epos Renaus de Montauban hält der Schelm Maugis den Kaiser Karl den Großen zum besten und erzählt, als Pilger verkleidet, wie es ihm ergangen sei. Er sei in Gefangenschaft geraten Et fui menes ä Mec ü fu li grans Mahons, Et est aussi, en air, comme nos vos dirom, A pierres d’aimant qui Y tiennent environ, .... er sei nach Mekka geführt worden, wo der große Muhammed von Magneten ringsum gehalten noch"heute in der Luft schwebe. Renaus de Montauban oder die Haimonskinder ed. Michelant, Stuttgart 1862, S. 253. 4*