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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 50

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Muhammedanisches und Antimuhammedanisches in den Pirke Rabbi Eliezer
Date
1925-01-01
Page
Seite 50 (sequence 4)
Language
German
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50 Chalifen; Fätima hieß die Tochter Muhammeds, die Frau des Chalifen 'Ali, die Mutter der Märtyrer Hasan und Husajn; niemals hätte ein Muslim Ismaels böses erstes Weib ‘Äjischa genannt. Der Abschnitt der Pirke R. E. über Ismael scheint auch in einer strittigen Frage der islamischen Ueberlieferung Stellung genommen zu haben, wieder nicht ohne Gehässigkeit. Viel umstritten war nämlich die Frage, wer der zum Opfer verlangte und sich anbietende Sohn Abrahams war: Isaak oder Ismael1. Der Qoran (XXXVII, 100—110) erzählt die Opferung, nennt aber die zu Opfernden nicht. Die ältere Qoranauslegung sprach diesen Ruhmestitel Isaak zu. Doch im Zeitalter der Entstehung der Pirke R. E. dürfte sich schon die volkstümlichere Anschauung durchgesetzt haben, Ismael sei der Opferbereite, der Ausgelöste gewesen. Dieser Anschauung nun scheinen sich die Pirke R. E. zu widersetzen, indem sie berichten: Als Abraham mit Isaak zum Berge Moriah zog, frohlockte Ismael, jetzt werde Isaak als Ganzopfer verbrannt und er, Ismael, trete als Abrahams Erstgeborener2 dessen Erbe an (Kap. 30). Weit entfernt also, sich zum Opfer anzubieten, so berichten die Pirke R. E., will Ismael sogar von Isaaks Opferfreudigkeit eigennützig Kapital schlagen. Die Gehässigkeit der Pirke R. E. gegen Ismael geht soweit, daß sie selbst seinen Namen anders deuten als es die Heilige Schrift getan. Hier wird er deshalb Ismael genannt, weil Gott das Flehen Hagars erhört (Gen 16u). Im Gegensatz hierzu lesen wir in dem Pirke R. E. (Kap. 32).; ולמה נקרא שמו ישמעאל שעתיד הקב״ה לשמועובקואנאהת העם ממה שעתידיז בני ישמעאל לעשות בארץ באחרית הימים לפי׳ מורא שמו ישמעאל. Also nicht Hagars Flehen um ihren Sohn Ismael wird erhört, sondern das Flehen des Volkes (Israels) gegen die Bedrückung Ismaels. Danach haben wir das 30. Kapitel der Pirke R. E. als aggadische Rückwirkung auf muhammedanische Polemik und arabische Gewaltsamkeit anzusehen. II. Der^'schwebende Sarg. Als Moses und Eleazar — so lesen wir im 17. Abschnitt der Pirke R. E. ־— Aron auf dem Berge Hör begraben hatten, wollte das Volk nicht an den Tod des geliebten Hohenpriesters glauben. Da erfaßte Gott den Sarg Arons, ließ ihn über dem Lager der Israeliten in der Luft fliegen und schweben. Jetzt erst betrauerte Mann und Weib in Israel den als Friedenstifter verehrten Hohenpriester. Für den in Lüften schwebenden Sarg scheint sich im alt jüdischen Schrifttum kein Beispiel zu finden. Der Talmud aber erzählt, wenn auch nicht von einem schwebenden Sarge, doch von einem schweben- 1 Ueber diese Frage s. Geiger: Was hat Mohammed aus dem Judenturne entnommen. Leipzig 19022, S. 129—135; — M. Grünbaum, Neue Beitrüge zur semitischen Sagenkunde. Leiden 1893, S. 111—114. Ignaz Goldziher: Die Richtungen der islamischen Koranauslegung. Leiden 1920, S. 79—81. 2 Ismaels Ansprüche werden auch in der muhammedanischen Ueberlieferung auf seine Erstgeburt gegründet, ja sogar Gen 222 wird anstatt: ,,opfere deinen einzigen Sohn“, gelesen: ״opfere deinen erstgeborenen Sohn“. — Goldziher a. a. O., S. 79, 80.

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