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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 49

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Muhammedanisches und Antimuhammedanisches in den Pirke Rabbi Eliezer
Date
1925-01-01
Page
Seite 49 (sequence 3)
Language
German
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49 Trotz, bereitwilligst zum Opfer an. Nach überstandener Prüfung erbaut Abraham mit Ismael das Heiligtum in Mekka. Pirke Rabbi Eliezer lassen es sich angelegen sein, diese Legende von der Gründung des Heiligtums des Islam gehörig zu entstellen. Vorerst wird die ganze Absicht der Erzählung, die Tendenz, umgestellt. In der muhammedanischen Legende irrt Hagar umher, damit der Ritus des Laufes zwischen Qafä und Marwa, später auch die Errichtung der Ka'ba erklärt werde. In den Pirke R. E. irrt sie ״umher, weil Umherirren soviel bedeutet wie Götzen anbeten. Den Quell, der den verschmachtenden Ismael labt, konnten auch die Pirke R. E. nicht recht umgehen, da ja darüber schon die Bibel berichtet. Doch es ist nicht der Quell Zemzem, es ist vielmehr jener Brunnen, von dem bereits die Mischna (Aboth 56) erzählt, er sei am letzten Schöpfungstage in der Dämmerung erschaffen worden. Auch sonst wird der Glanz der Legende verdüstert, das Hohe herabgedrückt. Während der beiden Besuche Abrahams ist Ismael abwesend. In der arabischen Sage hält ihn Jagd und ritterliche Uebung, furussija, fern, die Pirke Rabbi Eliezer lassen ihn Datteln klauben, Kamele weiden. In der Legende bewirtet die biedere zweite Frau Ismaels ihren ihr unbekannten Schwiegervater mit Fleisch und Milch, wäscht ihm Haupt und Füße mit Butter, in den Pirke R. E. bietet sie ihm Brot1 und Wasser. Den Tadel, der Ismaels erstes Weib trifft, teilen die Pirke R. E. mit, das Lob, welches Abraham der zweiten Frau spendet, verschweigen sie. Bezeichnend sind auch die Namen, welche die Pirke R. E. den beiden Frauen geben. Pirke R. E. meiden jede Anonymität. Bereits Zunz hat diese ihre Eigenart festgestellt2. Lots Weib heißt פלופזית, seine Tochter עדית (Kap. 25 werden beide viel günstiger geschildert als in der Bibel), die Samaritaner werden zur Zeit der Assyrer durch רבי דוסתאי und R. זכריה in der Tora unterwiesen (Kap. 38), der Führer, der aus Aegypten vorzeitig drängenden Ephrajimiten heißt יגנון (Kap. 48). Weitaus die meisten Fassungen der mir hammedanischen Legende erzählen von den beiden Frauen Ismaels ohne ihren Namen zu erwähnen; die spärlichen Quellen, die sie nennen, geben ihnen die geschichtlich farblosen Namen Wala und Sajjida3. Auch dem Verfasser der Pirke R. E. scheint eine der zahlreichen Fassungen Vorgelegen zu haben, in denen Ismaels beide Weiber nicht genannt werden: er legt ihnen die zwei berühmtesten Frauennamen des alten Islam bei: 'Äjischa4 und Fätima; ‘Äjischa hieß Muhammeds Lieblingsgattin, die Tochter Abu Bakrs, des ersten 1 Es dürfte daran erinnert werden, daß die Wurzel לחם im Arabischen Fleisch, im Hebräischen Brot bezeichnet; der Verfasser der Pirke R. E. kann das arabische Wort mißverstanden oder auch absichtlich umgedeutet haben. 2 Gottesdienstliche Vorträge 1832, S. 275; 18922, S. 287, 288. 3 S. die inhaltsreiche Anmerkung bei Graetz, Geschichte der Juden V, 19094, S. 208; die Namen scheint nebst Tabari auch Mashidi zu geben, der mir aber leider nicht zugänglich ist. Auch die Prophetengeschichten (Qipa? al-anbiai) des Thaciibi sowie der große Abraham -midrasch, welcher dem ‘Antarroman an die Spitze gestellt wird, nennen keine Namen. 4 Graetz a. a. O. ändert עישה zu .עדישד und will dies eigentümlicherweise Chadidscha lesen, — so hieß nämlich Muhammeds erste Frau. Monatsschrift, 69. Jahrgang. 4

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