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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 48

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Muhammedanisches und Antimuhammedanisches in den Pirke Rabbi Eliezer
Date
1925-01-01
Page
Seite 48 (sequence 2)
Language
German
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48 sich zu nennen, nach ihrem Manne, bittet um Labung. ‘Ajischa verweigert sie ihm. Da läßt er dem Ismael durch sie melden, ein Greis vom Lande Kanaan habe ihn gesucht und lasse ihm sagen, die Schwelle seines Hauses sei nicht in Ordnung. Ismael versteht die Botschaft seines Vaters, verstößt 'Ajischa und heiratet Fätima. Nach weiteren drei Jahren zieht es Abraham wieder zu Ismael. Wieder muß er Sara versprechen, er werde von seinem Kamel nicht absteigen. Wieder trifft er Ismael nicht zu Hause, doch Fätima labt ihn mit Brot und Wasser, wofür Ismaels Haus gesegnet wird. Hier haben wir es mit der Entislamisierung der muhammedanisehen Legende zu tun, d. h., schärfer gefaßt, mit der Travestie der Gründungssage von Mekka1. Schon der Qorän führt den Islam auf Abraham zurück. Muhammed verkündet, er sei berufen, die später verderbte, verfälschte Religion Abrahams in ihrer ursprünglichen Reinheit herzustellen2. Die muhammedanische Legende weiß ausführlich darüber zu berichten, wie Mekka von Abraham gegründet wurde. Von diesem reichen mannigfaltigen Legendengebilde wollen wir hier jene Züge zusammenfassen, auf welche die Ismaelsage der Pirke Rabbi Eliezer Bezug nimmt3. Sara ist eifersüchtig auf Hagar. Da geleitet Abraham die treffliehe Hagar mit ihrem Sohne Ismael nach Mekka, damit dort das Heiligtum gegründet werde. Doch zu dieser Zeit ist diese Gegend noch wasserlose Einöde. Um ihren und ihres Sohnes Durst zu stillen, späht Hagar nach einer Quelle, rennt derart siebenmal zwischen Qafä und Marwa, verrichtet also als Erste den Lauf, der allen Mekkapilgern als Pflicht obliegt. Wie sie zu ihrem Kinde zurückkehrt, sprudelt dort, vom Flügelschlag Gabriels, der Quell Zemzem der Benedeite hervor. Sie lassen sich dort nieder. Ismael heiratet. Abraham reitet (nach einigen Fassungen auf dem Al-Boräq) hin, wird in Ismaels Abwesenheit unwirtlich aufgenommen. Ismael kehrt heim, fühlt, daß sein Haus vom Dufte seines Vaters geweiht ist, erkundigt sich und erfährt die Botschaft, er solle die Schwelle seines Hauses austauschen. Er verstößt seine erste Frau, heiratet eine zweite. Abraham reitet wieder nach Mekka. Ismael trifft er auch diesmal nicht zu Hause. Doch Ismaels zweite Frau nimmt ihn gastlich auf, bewirtet ihn mit Fleisch und Milch, wäscht ihm Haupt und Füße mit Butter. — Abraham erfährt im Traumgesicht, er müsse Ismael auf opfern. Ismael bietet sich, allen Einflüsterungen Satans zum 1 Es äußert sich hier eine Feindseligkeit gegen den Islam, die auf harte Not und heftigen Streit während der Entstehungszeit schließen läßt. 2 Ignaz Goldziher, Vorlesungen über den Islam. Heidelberg 1910, S. 9. M. Grünbaum, Neue Beiträge zur semitischen Sagenkunde. Leiden 1893, S. 101—103. 3 Eine reiche Zusammenstellung der Fassungen dieser Legende gibt uns der verläßliche Grünbaum in seinem soeben angeführten Werke, S. 104 bis 110. Grünbaum, S. 124—131, hat auch richtig erkannt, daß die Pirke Rabbi Eliezer, das Sefer hajjaschar und Eliäh hakkohens שבט מוסר Manches der muhammedanischen Legende entlehnt haben.

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