Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 16)
- Language
- German
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28 welche bei seiner Herstellung verwandt wurden,, die Zauber- Wirkungen des Metallvogels• Jadduac, von dem der Sohar III, 184b erzählt. Daß ans der Mischung der Metalle unreine Kräfte entstehen, die also, wie man doch wohl folgern darf, durch deren Scheidung zu überwinden wären, ist bemerkenswert. Hier liegt ein Ansatzpunkt für, aktuell nicht aufgetretene, alchemistischmystische Tendenzen. Chajim Vital Calabrese (gest. 1622) hat eine der Metallsymbolik des Abraham Halewi verwandte Stelle in dem am Ende des Chessed le-Abraham von Abraham Azulaj gedruckten Stück1. Hier tritt auch der Hauptstoff der mittelalterlichen und späteren Alchemie: das Quecksilber, in kabbalistischer Beleuchtung auf. Es ist das siebente Metall zu den 6 erwähnten. Vital symbolisiert (ed. Slobuta 1794 f. 33b/c des zweiten Teils) diese 7 Metalle (in der Rangordnung: Silber, Gold, Kupfer, Zinn, Blei, Quecksilber, Eisen) mit den 7 Sephirot von Chessed bis Malkhuth und den 7 Planeten in der üblichen alten Reihenfolge, ein echt alchemistischastrologisches Schema2. Dem Quecksilber fällt die Sephira Jessod und damit die erotische Symbolik zu. Irgendwelche Konsequenzen werden aus diesem versprengten Schema aber nicht gezogen. Immerhin teilt Chajim Josef Azulaj in seinem מדבר קדמות (Lemberg 1869, f. 19c) mit, er wisse ,,zuverlässig und mit völliger Gewißheit, daß Chajim Vital der Geomantie, einer זאיידגי genannten magischen Disziplin, und der Alchemie kundig gewesen sei“. Es hat also unter den Jerusalemer Kabbalisten eine solche Tradition bestanden, die ja für die Geomantie inzwischen durch gedruckte Texte bestätigt worden ist. Unwahrscheinlich ist es auch nicht, daß gerade Vital etwas von Alchemie verstanden habe. Zeigt ihn ja seine Autobiographie als einen allem und jedem okkulten Wissen blind ergebenen Adepten. Vielleicht ist eine weitere Andeutung Azulajs daselbst f. 42c mit diesen Angaben in Verbindung zu bringen. Er sagt dort: ,,Es gibt ein Kraut, das Blei oder Silber zu Gold verwandelt (מהפך), wie wir von zuverlässigen Autoren (סופרים מגידי אמת) gehört haben. Und es gibt eine Andeutung über einige Eigenschaften der Kräuter, die Vital von Isak Lurja gehört hat.“ Azulaj hat also offenbar irgend etwas in dies. Gebiet Schlagendes in den Vitalschen Hss. gesehen. Mose Botarel zitiert in seinem Jezira-Kommentar (ca. 1400) ein angeblich saadianisches Buch ״der Stein der Philosophen“ אבן הפילופיפים (zu Jezira I, 1). Der Inhalt des Zitates hat nichts mit Alchemie zu tun. Der fingierte Buchtitel beweist jedenfalls nur, daß diesem an der Grenze von Kabbala und Philosophie stehenden Mystiker der Terminus ,,philosophischer Stein“ für den Stein der Weisen aus Alchemistenkreisen oder schriftlichen Quellen bekannt geworden ist. Sehr alchemistenfreundlich verhält sich der um 1560 schreibende Rabbiner von Tripoli in Nordafrika, Simon ibn Labi, der 1 Auch in kurzer Andeutung in den Liqqute Tehilim zu Ps 84, Lemberg 1854, f. 22b. , 2 In אביעה חידות Livorno 1879, f. 48a wird aus einem ם׳ לקוטים מנורי האר״י eine andere Zuordnung der Planeten und Metalle angeführt, und zwar die klassische der Astrologie, unter Umkehrung von Zinn und Eisen.