Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 15)
- Language
- German
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27 dr'ücklich als mit הת1כא synonym erklärte 1סוספיתא דדהבא oder nach der Schreibung der Münchener Soharhandschrift Cod. 203 an mehreren Stellen שושפיתא. Die Etymologie dieses in keiner rabbinischen Schrift, und vor allem in den älteren Quellenwerken nicht, vorkommenden Wortes, das über den ganzen Sohar verbreitet ist, ist völlig unklar, und wäre dabei für die Beantwortung vieler soharkritischen Fragen sehr nötig zu erfahren. Lat. suspiro hat mitunter die Bedeutung ״dampfen, ausdunsten“. Sollte in פרספיתא etwa ein zu suspatum verderbtes suspiratum ״Ausgedunstetes“ stecken? Wäre diese Etymologie, die ich nur Versuchsweise vorschlage, richtig, so müßte das Wort von Kabbalisten, die nicht mehr Lateinisch verstanden, aus älteren verlorenen Texten übernommen und mißverstanden worden sein. Spanisch ist das Wort jedenfalls nicht. Dies sind alle Spuren, die ich von Alchemistischem im Sohar gefunden habe. In den späteren Schriften findet sich noch viel weniger. Abraham Abulafia (gest. ca. 1291) erklärt in seinem Imre Schepher Cod. Mon. 285 f., 60b, daß die Metalle keine Lebenskraft, nephesch, haben2 — in offenbarem Gegensatz also zur alchemistischen Anschauung, die ein nephesch der Metalle annimmt. Die ״Seele“ der Metalle spielt ja dort eine große Rolle. Metallsymbolik, die zweifellos alchemistisch ist, habe ich auch noch bei zwei Kabbalisten des 16. und 17. Jahrhunderts en passant erwähnt gefunden. Abraham Halewi der Alte kennt in dem vor 1552 abgefaßten Galle Rasajja (Mohilew 1812) f. 28d—29a 6 Metalle3: Gold, Silber, Eisen, Blei — diese beiden erklärt er als סוספיתא der ersteren — Kupfer und Zinn, also die auch im Sohar II, 23b erwähnten Arten, mit Ausnahme des Messings, das auch er nicht mehr verstanden zu haben scheint, da er sonst kaum Eisen als suspita des Goldes ausgeben würde. Gold und Silber werden bei ihm überhaupt nicht lokalisiert (Osten??), das Eisen im Norden, Kupfer im Westen, Zinn und Blei beide im Süden, und er erklärt aus der richtigen Mischung der 6 Metalle, 1 II, 224b ־und 236b werden התוכא und סוספיתא durch einander erklärt. Die Uebersetzung Sterns (Ben Chananja II, p. 451), ״Hülle“ ist aus der Luft gegriffen. Bemerkenswert ist, daß außer an zwei unverständlichen Stellen, in denen es sich um mystische Formeln zu handeln scheint, I, 30a und Tiqqunim 132b, das Wort stets in Verbindung mit דהבא vorkommt. Eine suspita des Silbers oder Kupfers gibt es im Sohar nicht. Dies scheint mir besonders dafür zu sprechen, daß ein fester alchemistischer Ausdruck für Goldschmutz übernommen worden ist. Der ,,Schmutz der Metalle“ spielt natürlicherweise in allen alchemistischen Praktiken eine große Rolle. II, 24b beschreibt das Messing, wie oben erwähnt, als eine ״gelbe suspita des Goldes“. I, 118b hat sprichwortartig: ״ באתר דדהבא שריא, פומפיתא לא אדכר קמיהAm Orte, wo das Gold seinen Sitz hat, wird der Schlacke suspita nicht gedacht“, mit Beziehung auf Isaak (= Strenge, Gold) und Ismael. I, 62b wird von der Schlange gesagt: ״ מסטרא דהתוכא דדהבא קאתיSie stammt von der Seite der Auflösung des Goldes“. Uebrigens wird man התוכא in all diesen Stellen besser nicht wörtlich als ,,Auflösung“ verstehen, sondern als Terminus technicus für Abfall, Schmutz. Der Gebrauch der Worte התוכא/ זוו־זמא* סיג und מוספי תא geht an allen Steilen so durcheinander, daß zweifellos nur eine Bedeutung mit ihnen beabsichtigt ist. ♦ואין למתכת נפש כ״ אם מזג ועירוב ארבע יסודות 2 3 6 Metalle nehmen, nach Lippmann, S. 442, auch die indischen Alchemisten an.