Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 14)
- Language
- German
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26 zuführen. Eine der frühesten so auftretenden Autoritäten ist M a r i a die jüdin1, welcher der folgende, von den Alchemisten des Mittelalters zwar auch nicht mehr verstandene, aber als alchemistisches Mysterien wort2 in mehr oder weniger ähnlichen Formen durch die Jahrhunderte tradierte, mystische Satz zugeschrieben wird: ,,Zwei sind Eins, Drei und Vier sind Eins, Eins wird Zwei, Zwei wird Drei“. Ich möchte vermuten, daß auch an den zitierten Soharstellen die Kabbalisten umlaufende alchemistische mnemotechnische oder mystische Formeln aufgegriffen und dann in ihrem' Sinne verwandt haben. Es sei bemerkt, daß dieser erwähnte mystische Satz sich auch noch in der nach Lippmann etwa dem 12. Jahrhundert angehörigen alchemistischen Turba Philosophorum befindet. Gerade in dieser Schrift will aber W a i t e , p. 460, eine gewisse Verwandtschaft und mögliche Beziehung zu den Idras des Sohar finden, und einen der wenigen Punkte alchemistischen Einflusses auf die Kabbala, wobei er nicht nur die Turba für jüdischen Ursprungs hält, sondern auch von dem alten, schier unausrottbaren Irrtum geleitet wird, daß אדרא Versammlung, Synode (==■ turba!?) hieße. Diese Bedeutung des Wortes ist aber geraten, oder, wenn man will, eine späte Erfindung.; Auch der Gebrauch der Oxymora der Form פעיל ולא פעיל zur Bezeichnung eines mystischen Prozesses — was dem talmudischen Sprachgebrauch durchaus widerspricht — könnte durch die Redeweise alchemistischer. Mystiker vermittelt sein, ohne daß ich dies für mehr als eine schwache Vermutung halten will3. Die zweite Symbolik, die sich im Sohar an vielen Stellen findet4, und die ich sicher für alchemistischen Ursprungs halte, ist jene, mit der das Dämonische, die Hyperthrophie der ״linken“ Weltseite, als ,,Schmutz des Goldes“, ״Auflösung des Goldes“, ,,Schlacke des Goldes“ bezeichnet wird. Hier paßt die klassische kabbalistische Symbolik, welcher Gold das Symbol der linken Seite, der Strenge ist, zu der alchemistischen, die das ,,philosophische Gold“ aus dem Schmutz und der Verschlacktheit der Metalle (= Seelenzustände) herausschmilzt. Das Dämonische, Sammael, ist aus der hypertrophisehen Auflösung der Strenge entstanden5. Es ist, nach ähnlicher Betrachtung, der Abfall oder Schmutz, der bei der Läuterung zurückbleibt. Der Sohar hat 4 Ausdrücke für diese zweifellos alchemistische Symbolik: ״ סיגי דדהבאSchlacken des Goldes“, זוהמא דדהבא ״Schmutz des Goldes“, ״ התוכא■ דחזבאAuflösung (Abfall) des Goldes“ und vor allem das rätselhafte, an mehreren Stellen aus- 1 Lippmann, p. 46—48; vgl. auch Gaster in Jewish Encyclopedia I, 329. 2 Solcher Formeln gab es viele. Am berühmtesten ist der Satz: ,,Natur freut sich der Natur, Natur überwindet die Natur, Natur beherrscht die Natur“, den ich übrigens bisher in jüdischen Schriften des Mittelalters nicht verwertet gefunden habe. 3 Vgl. Lippmann, S. 345.' Näheres über diese eigenartige Stilfigur des Sohar hoffe ich gelegentlich besonders mitteilen zu können. 4 I, 48a, 528^ 62b, 73a, 109b, 118b,. (161b), 193a, 228a; II, 24b, 104a, 148b, 149b, 203a, 224b, 236a/b, 275a; III, 51a, 84b; Sohar chadasch zum Hohen Lied (ed. Warschau .1885) 58b, 66b, und scheinbar auch Tiqqune Sohar 132b. 5 I, 161b (Tossefta) ausdrücklich: סמ^ל מפק מהתוכא דתוקפא דיצחק, \