Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 13)
- Language
- German
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25 ״darum heißt es verschlossen, weil es dem Auge verschlossen ist, ,,so daß es keine Macht darüber hat [sc. es nicht wahrnimmt]; das ,,untere Gold“ aber ist schon mehr wahrnehmbar1.“ Deutlicher als es in diesem bedeutenden Stück kabbalistischer Theosophie geschieht, haben auch die christlichen und gnostischen Mystiker und Alchemisten das ״Gold“ in der Seele des Menschen nicht geschildert. Wären die in dem oben erwähnten Bahirfragment und hier zum Ausdruck kommenden Tendenzen echt alchemistisch gerichteter Symbolik in der Kabbala zum Durchbruch gelangt und nicht vielmehr aus ihr eliminiert worden, so würde sich freilich eine wesentliche Verwandtschaft der beiden Strömungen mit Fug behaupten lassen. Der völlige Gegensatz dieser, im Sohar und den andern Klassikern der Kabbala durchaus einzig dastehenden Stellen zu der oben besprochenen Stelle II, 197b und der ihr entsprechenden Auffassung bedarf keiner weiteren Verdeutlichung. Zum Vergleich mit ähnlichen Schilderungen des ״philosophischen Goldes“ — wie der alchemistische Mystiker eben das nennt, was dem Sohar זהב עלאה heißt — lese man nur etwa Stücke wie die von Silberer, p. 100—103 angeführten. Die 7 Grade der alchemistischen Reinigung,, den wohl alle mystischen Systeme durchziehenden 7 Stufen der mystischen Kontemplation entsprechend, kennt schon Zosimos2. Daß die alchemistische Redeweise und Symbolik eventuell auch auf einzelne, ihr an sich fremde, Gebiete der kabbalistischen Symbolik übergegriffen und gewirkt haben mag, ist nicht ausgeschlossen. Mir sind zwei solcher, mit großer Wahrscheinlichkeit von der alchemistischen Terminologie beeinflußten Symboliken aufgefallen, die freilich im Sohar eine ganz andere Entwicklung genommen haben. Das eine Eine sind die vielberühmten und seit jeher viele irreführenden, kurzen mystischen Sätze, die eine Art Hexeneinmaleins zu enthalten scheinen, besonders I, 77a, dann aber auch I, 72b, II, 95a u. III, 162a. ״Eins steigt auf nach der einen Seite,. Eins steigt hinab nach der andern Seite, Eins tritt ein in Zwei, Zwei erregt sich zu Drei, Drei tritt ein in Eins m w.“ oder ״Zwei sind Eins und Eins ist Drei“, Sätze, deren Wortsinn aus dem Context unschwer festzustellen und weit weniger aufregend ist als die pathetische Formulierung vermuten läßt. Uns interessiert aber hier gerade diese äußere Form. Die Sätze klingen wie alte Formeln, denen hier eben ein passender Sinn untergelegt wird. Neue Verwendung alter״ unverständlich gewordener, mystischer Formeln läßt sich in mehreren Fällen in der Kabbala nachweisen3. Und in der Tat haben gerade in der Alchemie Sätze, die diesen hier verzweifelt ähnlich sehen,, eine große Rolle gespielt. Die Alchemisten lieben, wie schon gesagt, jüdische Autoritäten größtenteils pseudepigraphischer Natur an- 1 Auch dieser Schluß drückt klar aus, daß dieses Fragment nicht von natürlichen Metallen redet. Diese ganze, in der Tat nicht einfache Stelle, kann auch einen Begriff davon geben, welchen Schwierigkeiten Uebersetzung und Sinnerklärung der echtmystischen Stücke im Sohar begegnen, wenn man beim Wortsinn bleiben, resp. ihn ohne harmonistische Vorurteile ausfindig machen will. 2 Silberer, p. 190; vgl. auch Lippmann, p. 81—9ל. 3 Die Geschichte einer solchen ziemlich verbreiteten Formel: ־כי שמך בך ובך שמך untersuche ich in meiner Einleitung zum Buch Bahir.