Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 10)
- Language
- German
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22 ströme und der 12 Rinder des ehernen Meeres im Tempel, in beiden Paralleltexten. Im Text des Mose de Leon, der im Druck an der betreffenden Stelle leider etwas verderbt ist, sich aber inhaltlich sicher korrigieren läßt, ist eine ausdrückliche Erwähnung der Alchemisten, aber als durchaus Fernstehender, erhalten oder eingeschoben* 1. ״Das Kupfer ist rot und bringt die Naturen beider (vorher erwähnten Elemente, Gold und Silber) hervor, denn die, die das ״Werk“2 k e n n e n (Alchemisten), machen aus ihm Silber und Gold . . .“ Diese Bezeichnung der Alchemisten, Ttoirjzat, ist eine hier ins Hebräische übertragene feststehende Formel. Daß das Kupfer in der Tat bei vielen Alchemisten als Vorstadium des Silbers und Goldes galt, ist bekannt. Vergl. z. B. bei Zosimos die drei Stadien des ,,Kupfermensch־ lein“, ״Silbermenschen“ und ״Goldmenschen“ in seiner alchemistisch־ mystischen Vision (Lippmann, p. 80 f.). Astrologisch-alchemistischer Einfluß liegt auch Sohar II, 171 vor, wo der Einfluß der Sterne auf das Wachstum der Metalle be־ sprechen wird) in einem zweifellos entlehnten Fragment. Kurz vorher wird ein Edelsteinbuch Salomos angeführt, aus dem etwas Aehn־ liches zitiert wird. Wenn man auch diese Zitate nicht für ganz bare Münze zu nehmen braucht, was schon die Stilgleichheit mit dem übrigen Sohar verbietet, so; spricht sich darin und in den phantastisehen Buchtiteln doch , oft Erinnerung an Entlehnungen aus fremden Quellen aus, mögen sie. auch anders und z. T. weniger bombastisch geheißen haben. Wie in dem vorbesprochenen Stück bei Mose de Leon, ,wird auch hier ירוק, gelb als symbolische Farbe des Goldes angegeben, während in der mystischen Symbolik der Kabbala sonst stets Rot diese Rolle spielt. Symbolik des Goldes findet sich öfters, besonders auf Grund der Stelle b. Joma 44b, wo aus der Bibel 7 Arten des Goldes auf gezählt werden. In zweifelloser Anlehnung an alchemistisches Denken werden diese 7 Arten von manchen Kabbalisten mystisch ausgedeutet, so z. B. auf den Komplex der unteren 7 Sephiroth, der geistigen ״Urwoche“ der Schöpfung3. Zwei völlig entgegengesetzte Deutungen dieser Art, von denen die eine dem klassischen Schema sich ein־ ordnet und die 7 Arten des Goldes dem Silber unterordnet, die zweite dagegen sich in der Tat liest wie eine mystische Meditation in al- —־-־!Pr 1 Scheqei ha-Qoäesch, S. 120. Ich lese: הכחשת הוא אדום וזד, מוליד טבע שניהם כי היודעים במלאכה עושים ממנו גיבע זדם וכסף ועל דרך טבעם מוליד זהכדשת וה־א כאומדת השמש ברוח wobei nur die im Druck in Verwirrung geratenen Worte anders umgestellt sind. Ein paar Zeilen vorher könnte unter בעלי החכמה, das sonst hier Mystiker heißt, auch Alchemisten verstanden sein, denn es fehlt dort zweifellos mindestens ein Wort, und wenn man statt des unmöglichen ארחם בעלי החכמה בטבע האש מוליד טבע הזהב etwa liest: ... ואמרו בעלי החכמה הזאת so würde das nicht mehr Mystiker, sondern ״Männer dieser (d. h. die Metalle betreffenden) Wissenschaft“ heißen, das . will sagen Steinkundige und Alchemisten. 2 Der Ausdruck מלאכה für das ״große Werk66 der Alchemie ist auch, interessanter Weise, bei dem angeblichen Abraham von Worms belegt, sowie im Esch mezareph, worüber weiter unten. In ähnlich prägnantem Sinn braucht ihn Simon ibn Labi im כתם פז (Livorno 1795) f. 445a. 8 Mose de Leon, Scheqei ha-Qodesch, S. 46 f. Mose Kordovero zitiert im Pardes Rimmonim 1592 f. 72c/d sehr lobend ein langes Stück einer anonymen Abhandlung über den mystischen Sinn der ל Goldarten.