Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 9)
- Language
- German
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21 Symbolik angeboten wird. . Eine wörtlich entsprechende Parallele zu diesem Passus findet sich im Scheqel ha-Qodesch des Mose de Leon, London 1911, p. 118—22, eine, andere in Cod. Mon. 47 f. 366 und 386 in einem noch unerkannten, dem Mose de Leon angehörenden Fragment. Die Priorität unter diesen Stücken, die übrigens für unsere Untersuchung nicht wesentlich ist, kommt m. E. durchaus dem Soharstück zu, wie ein Vergleich im Einzelnen zeigen würde. Unter Zugrundelegung des aristotelischen Schemas über die Be- Ziehungen der 4 Elemente zu den 4 humores1 wird folgende Zu- Ordnung der Elemente zu den Metallen und Himmelsrichtungen entwickelt, für die ich in der älteren oder jüngeren alchemistischen Literatur bei freilich verschwindenden Kenntnissen keine Parallele finden konnte2 3: ,,obere Merkabha“ primäre Metalle '^sekundäreMetalle{ BM Die sekundären Metalle sollen aus den primären durch Verbindung ihres Elementes mit Erde hervorgehen. Des Langen und Breiten werden die Verwandlungen und Beziehungen dieser Gruppen untereinander vorgeführt, durchgehends in auffallend formelhafter Weise und unter Heranziehung biblischer Symbolik, der 4 Paradieses- 1 In de generatione et corruptione II, 1 ff. Der Sohar muß nicht notwendig die 1250 von Mose ibn Tibbon beendete Uebersetzung benutzt haben, sondern kann ebenso gut aus anderen mittelbaren, von Aristoteles gespeisten Quellen geschöpft haben, die für die Anschauungen, um die es sich hier handelt, ja beliebig zahlreich sind. 2 Auch Lippmann hat in seinem fundamentalen Werke nichts derartiges. Die der Kabbala entsprechende Zuordnung des Goldes zum Norden (nach Hiob 3722: סצ5ון זתב יאתה) ist sonst alchemistischer Symbolik fremd. 3 Die Terminologie ist beachtenswert. Für Zinn schreibt der Sohar das alte talmudisch-griecbische ־=) קם־־טרא xaoa׳/cepos), das im Talmud meistens schlechter transkribiert wird und in dieser guten Schreibweise sich nur hier erhalten hat. Erklärend fügt unser Sohartext diesem später offenbar nicht mehr geläufigen Wort hinzu נדאיהו כחשת זוטא und ebenso schreibt Mose de Leon, Scheqel ha-Qodesch, p. 122, ohne das alte Wort überhaupt zu nennen, nur נחשת התחתון. Für Messing schreibt Mose de Leon a. a. O. נחשת המיזהב מיטל (!) של עפר ,,gelbes Kupfer, Metall der Erde“. Das erste dieser Synonyme stammt aus Esra 827. Der Name ist für Messing international und auch im Mittelalter weit verbreitet, vgl. Lippmann, S. 571 ff. (über lat. orichalcum etc.). Der Sohar dagegen, ein unzweideutiger Beweis des älteren Ursprungs, hat eine nicht mehr klare umschreibende Bezeichnung סוספיתא ״ יריקא דאיהו כגרונא ידהבא ממשeine gelbe Schlacke (? Ueber סוספיתא cf. weiterhin) geradeso wie Gold“. Die ״Uebersetzung“ de Paulys III, p. 121 versagt, wie stets an den wichtigen Stellen. Messing .und Zinn sind nicht richtig erkannt. Was la gangue i’ür פוטפיתא heißen soll, weiß wohl niemand, und gerade קפייטדא ist mit Messing übersetzt, d. h. geraten, so daß eine ganz falsche Zuordnung entsteht. Die Note de Paulys VI, 279 zu diesem Stück, wo in dieser alchemistischen Kosmologie die ״heilige Dreieinigkeit“ gefunden wird, gibt über die Qualitäten des Uebersetzers genügenden Aufschluß. Ebenso rät Karppe, p. 504, statt Messing auf Blei, und läßt ״Bronze das Kupfer her- Vorbringen“ statt Kupfer das Zinn. Es ist nach solchem Stande kabbalistischer Uebersetzungen fast noch erfreulich, daß bisher kein Forscher derartige Stücke vom Standpunkt der Geschichte der Alchemie und Naturwissenschaft unter״ sucht hat und entsprechend irregeleitet worden wäre.!Feuer Wasser Wind Erde Norden Süden Osten Westen Gold Silber; Kupfer Eisen