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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 20

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Alchemie und Kabbala
Date
1925-01-01
Page
Seite 20 (sequence 8)
Language
German
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20 die Rechenweise von unten auf (eventl. in der unteren Welt?) ist. Würde er (Mose) aber in der Rechenweise der oberen Merkabha zählen wollen, so würde er rechts (d. h. vom Silber an) zu zählen beginnen und danach erst links. Warum? Weil es heißt (Chaggaj 28): ,,Mein ist das Silber und mein ist das Gold“ — Silber zuerst und danach das Gold1, in der unteren Merkabha aber fängt man mit links an und danach erst (folgt) rechts, wie es heißt (Ex 355): ״Gold, Silber und Kupfer“ — Gold zuerst und danach das Silber/' Die Stelle ist klar, und das Motiv der umgekehrten Ordnung der oberen und unteren Welt — das der späteren Theorie vieler Kabbalisten entgegenkommt, die die Schöpfung der niederen Welt nicht durch Emanation, sondern durch Spiegelung des ,,reflektierten Lichtes“ der Sphärenwelt behaupten — ist in der älteren Kabbala beliebt und oft angewandt. So findet es sich bei der Folge der Buchstaben des Alphabetes in beiden Welten auf Grund talmudischer Motive, von da aus bei der Theorie der mystischen Gottesnamen und י E<pecna Ypäppaza usw., vgl. auch weiter unten die Zuordnung des Steins der Weisen zur untersten Sephira, des unedelsten Metalls, des Bleis, aber zur zweithöchsten im Buch Aesch mezareph. Der möglichen gnostisch-antinomistischen Konsequenzen dieser Konzeption waren sich die Kabbalisten wohl nie bewußt. Sonst hätte man kaum Werke kursieren lassen, in denen z. B, die verbotenen Ehen auf Grund dieses Prinzips in den oberen Welten zwischen den Sephiroth nicht nur als erlaubt, sondern als gefordert bezeichnet werden. Noch radikaler als die Soharstelle ist der, denselben Grundgedanken ausführende, Passus des Buches Pelia, zitiert auch im Midrasch Talpioth s. v. כסף וזהב, der mit klaren Beispielen aus dem Leben erklärt, das Gold sei deshalb in unserer Welt wertvoller, weil wir im Aeon des Goldes, der bösen Macht —!שמטת הדי — lebten. Er verlegt die richtige, den mystischen Verhältnissen entsprechende Einschätzung in den vorangegangenen guten Aeon, שמטת החפל. Eine solche Ausführung steht im strengsten Gegensatz zu alchemistischem Denken. Und doch ist auch der Sohar nicht ganz frei von diesem, wie sich zeigen läßt. Nach I, 249b—-250a macht der Einfluß der Sonne das Gold wachsen תיקפא דשמשא »פגי זהב, was der alchemistischen Korrelation der beiden entspricht. Andererseits haben gerade die Gegner der Alchemie aus dieser natürlichen Beziehung ein Argument gegen die Möglichkeit künstlicher Metallverwandlung geschöpft! Ein sehr stark alchemistisch beeinflußtes Stück findet sich vor allem II, 23b—24b2, wo sich zwar keine alchemistischen Behauptungen im engeren Sinne finden, wo aber ein ganzes System alchemistisch er 1 D. h.: In der Sphärenwelt Gottes, welches die obere Welt ist. ist dies die Reihenfolge. Der Vers Chaggaj 2,8 ist auch im Bahir der Stichvers für die entsprechenden Gedankengänge der mystischen Symbolik von Gold und Silber. In der hamburger hebräischen Hs. 252 (Steinschneider 248) f• 23b schließt dieser Vers ein spanisch-jüdisches alchemistisches Rezept ab. 2 Das Stück ist als alchemistisch schon erkannt in der, sonst völlig wertlosen, Kompilation von Karppe, Etüde sur les origines et la nature du Zohar, 1901, p. 515, vgl. ibid. 503/4. Vgl. auch Jellinek, Beiträge zur Geschichte der Kabbala I, 38, Eisler, Weltenmantel und Himmelszelt II (!910), 452.

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