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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 19

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Alchemie und Kabbala
Date
1925-01-01
Page
Seite 19 (sequence 7)
Language
German
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19 \ anderes vielleicht hierher Gehöriges den Alchenaisten des 16.—19. Jahrhunderts nie aufgefallen und haben in der ״christlichen Kabbala“ und dem Rosenkreuzertum keinerlei Rolle gespielt. Dagegen sind sie nicht ohne Bedeutung für die Kenntnis der Kanäle, durch die die späthellenistische Welt auf die jüdische Mystik noch des Mittelalters eingewirkt hat. Ein in der systematischen Ausbildung der Kabbala ganz unter den Tisch gefallenes altes Fragment, das die alchemistische Symbolik des Goldes als des Männlichen noch bewahrt hat, findet sich im Buch Bahir § 36: ,,Warum heißt das Gold זהב? Weil in ihm drei Prinzipien enthalten sind: das Männliche (זבל) und darauf deutet das t, die Seele, und darauf deutet das ה (offenbar das Weibliche, wie in der Buchstabenmystik der Kabbala das ה stets gedeutet wird) . . . und פ verbürgt ihren Bestand“1. Hier erfüllt das Gold also alles, was die alchemistische Symbolik braucht: es stellt die mystische Vereinigung der höchsten im Kosmos wirkenden Prinzipien dar, mit Betonung des männlichen Elementes. Es ist dies außer der unten zu besprechenden Soharstelle II, 148 a die einzige Stelle der ganzen kabbalistischen Literatur, die ganz rein in der Richtung der Alchemie liegt. Schon in den Tiqqune Sohar, die in Nr. 21 diese Bahirstelle benutzen2, ist. die für die klassische Kabbala unannehmbare Deutung des Zajin auf das männliche Prinzip durch eine systematisch weniger herpassende, aber unanstößige Deutung (auf die Zahl 7, d. h. die 7 Schöpfungstage) ersetzt, die auch schon in Varianten des Bahir auftritt. Die so herauskommende Deutung ist zwar recht sinnlos und unzusammenhängend, aber der alchemistische Untergrund ־— das Gold Symbol der höchsten Vollkommenheit der Schöpfung, vom Licht (offenbar dem Urlicht, hier für die Seele eingesetzt) erfüllt — scheint noch durch. Der Konflikt, in dem die mystische und die ,,natürliche“ Schätzung des Goldes in der Kabbala stehen, äußert sich stark genug in der mystischen Literatur, indem die Kabbalisten zu erklären suchten, warum das Wertverhältnis des Goldes und Silbers in der natürlichen, unteren Welt umgekehrt sei wie das in der geistigen, oberen. Diese Erklärungsversuche pflanzen sich von einer klassischen Stelle des Sohar II, 197b durch viele kabbalistische Werke fort. Und war so immerhin der Rang des Goldes in der unteren ,,Merkabha“ und der von ihr abhängigen sinnlichen Welt zu retten, so wäre'zwar für rein materielle alchemistische Bestrebungen noch Platz gewesen, einer mystischen, gerade auf die geistige Ordnung der Dinge• gerichteten Umdeutung der alchemistischen Praxis war damit aber ein um so stärkerer Riegel vorgeschoben. Die erwähnte Soharstelle besagt: ,,Komm und sieh, hier (im Verse Ex 35s) steht das Gold voran und das Silber danach, weil es 1 a. a. O., p. 39. Das Stück, mit dem die Kabbalisten seit 1250 mindestens durchaus nichts mehr anzufangen wissen, steht zwischen, zwei die völlig entgegen gesetzte, klassisch-kabbalistische Symbolik vertretenden Stücken, § 35 und § 38! Das ב ist, wie aus dem Zusammenhang dort hervorgeht, das ב von בראשית, der Buchstabe des weltschöpferischen und welterhaltenden ersten מאסר, Logos. Aus einer völlig andern Quelle stammt die zweite im Bahir enthaltene Deutung von ז in § 54—55־.; 2 Vgl. a. a. O., p. 40. 9*

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